# Die Nummer ist neu, die Fachstelle fehlt: Sicherheit und Beratungsstellen im Kanton Jura 2026

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**Category:** Jura\
**Tags:** opferhilfe, sexarbeit-schweiz, beratungsstellen, kanton-jura, sicherheit\
**Created:** [1. September 2026 um 18:56 UTC](https://forum.6love.ch/t/die-nummer-ist-neu-die-fachstelle-fehlt-sicherheit-und-beratungsstellen-im-kanton-jura-2026/2948 "2026-09-01T18:56:50Z")\
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**Post date:** [1. September 2026 um 18:56 UTC](https://forum.6love.ch/t/die-nummer-ist-neu-die-fachstelle-fehlt-sicherheit-und-beratungsstellen-im-kanton-jura-2026/2948/1 "2026-09-01T18:56:50Z")

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# Die Nummer ist neu, die Fachstelle fehlt: Sicherheit und Beratungsstellen im Kanton Jura 2026

In den meisten Westschweizer Kantonen gibt es auf die Frage „An wen wende ich mich als Sexarbeiterin?“ eine kurze Antwort: einen Namen. Genf hat Aspasie, die Waadt Fleur de Pavé, Freiburg Grisélidis, Neuenburg das Programm THAYS von Médecins du Monde. Diese Organisationen sind auf Sexarbeit spezialisiert, sie machen aufsuchende Arbeit, sie sprechen mehrere Sprachen, und sie sind ausdrücklich keine Behörde.

Im Kanton Jura gibt es diesen einen Namen nicht.

Das ist kein Vorwurf, sondern eine Grössenfrage: Der Jura hat rund 74’000 Einwohnerinnen und Einwohner und keine Grossstadt. Eine spezialisierte Vollzeitstelle nur für Sexarbeit trägt sich hier schlicht nicht so wie in Genf. Die praktische Konsequenz ist trotzdem real. Wer im Jura arbeitet und ein Problem hat — eine gesundheitliche Frage, einen übergriffigen Kunden, einen Betreiber, der Papiere einbehält, eine Anzeige, die man erwägt — landet nicht bei einer Fachstelle für Sexarbeit, sondern in einem Netz aus generalistischen Stellen. Man muss wissen, welche davon wofür zuständig ist. Und man muss wissen, welche davon eine Behörde ist und welche nicht.

Genau diese Landkarte zeichnet dieser Text. Dazu kommt: 2026 hat sich am Jurassischen Hilfsnetz mehr verändert als in den zehn Jahren davor — an einer Stelle deutlich zum Besseren, an einer anderen bleibt eine Lücke offen, die inzwischen dokumentiert ist.

## Die wichtigste Unterscheidung zuerst: Amt oder Anlaufstelle

Die häufigste Verwechslung im Jura betrifft den **Service de l’économie et de l’emploi (SEE)**. Der SEE (Rue de la Jeunesse 1, 2800 Delémont, 032 420 52 10) ist die Stelle, bei der die Tätigkeit gemeldet wird — persönlich, kostenlos, mit dem Meldeformular F53 und einer Kopie des Ausweises. Für die Salon- und Escort-Seite existieren eigene Formulare (F51 für die Salon-Meldung, F52 für An- und Abmeldungen der dort tätigen Personen).

Der SEE ist eine Verwaltungsstelle. Er registriert, er prüft, er kann Verfahren eröffnen. Er ist nicht deine Beratung, und er unterliegt nicht dem Berufsgeheimnis, das eine Gesundheits- oder Opferberatungsstelle bindet. Das ist kein Grund, den Gang zum SEE zu meiden — die Meldung ist Pflicht, sie ist gratis, und wer sie macht, steht rechtlich besser da. Aber es ist ein Grund, den Schalter nicht mit einer Vertrauensstelle zu verwechseln. Wie Meldung, Bewilligung und Zuständigkeit im Jura genau ineinandergreifen, ist in der [Übersicht zu Bewilligung und Meldepflicht](https://forum.6love.ch/t/sexarbeit-im-kanton-jura-bewilligung-meldepflicht-und-zustaendigkeiten/2849) ausführlich aufgeschlüsselt.

Ein Hinweis zur Rechtslage, weil er die Zuständigkeiten betrifft: Der Jura hat seine Prostitutionsgesetzgebung (LProst, RSJU 943.1, in Kraft seit 2011) revidiert. Das Parlament hat die Totalrevision am 16. April 2025 in erster und am 21. Mai 2025 in zweiter Lesung angenommen. Der Kern: Aus der blossen Meldepflicht für Salons und Escort-Agenturen wird ein Bewilligungsregime, mit einem vorgängigen Mitspracherecht der Gemeinde. Das exakte Datum des Inkrafttretens der revidierten LProst und der zugehörigen Ausführungsverordnung ist öffentlich nicht sauber datiert. Wer 2026 einen Salon eröffnet oder umzieht, fragt deshalb vor jedem Schritt beim SEE nach, welches Regime im konkreten Moment gilt — die publizierten Formulare hinken solchen Übergängen erfahrungsgemäss hinterher.

## Die Anlaufstellen, die tatsächlich beraten

### Sexuelle Gesundheit: SexualitéS Santé Jura

Die zentrale niederschwellige Stelle im Kanton ist **SexualitéS Santé Jura (SSJU)**, das Centre de santé sexuelle – planning familial. Es ist ein privater, gemeinnütziger Verein mit kantonaler Subventionierung — also gerade keine Behörde.

Zwei Standorte:

- **Delémont** , Rue de la Molière 13, Telefon 032 422 34 44
- **Porrentruy** , Rue des Tanneurs 5, im Centre Le Phénix

Die Öffnungszeiten sind an beiden Standorten nachmittags- und abendlastig (in Delémont montags ab 11 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr; in Porrentruy montags bis 19 Uhr, freitags geschlossen) — das ist für Leute mit Abendarbeit brauchbarer als ein reiner Bürofahrplan. Termine laufen über das Sekretariat.

Entscheidend sind drei Punkte: Die Beratungsgespräche sind **kostenlos** , sie sind **vertraulich** , und das **STI-Screening ist anonym möglich** — an Werktagen sowie an einem Samstagvormittag pro Monat. Anonym heisst hier: Du musst für einen Test nicht deinen Beruf, deine Meldung oder deine Krankenkasse offenlegen. Für alle, die aus aufenthaltsrechtlichen Gründen keine Datenspur legen wollen, ist das der praktisch wichtigste Satz dieses Artikels.

### HIV, Prävention, Menschen in prekären Lagen: Groupe Sida Jura

Der **Groupe Sida Jura (GSJ)** — Rue de l’Hôpital 40, 2800 Delémont, Telefonzeiten dienstags und donnerstags von 13.30 bis 17.30 Uhr, 032 423 23 43 — arbeitet seit 1989 im Kanton und richtet seine Prävention ausdrücklich auch an Sexarbeitende, an Menschen mit Migrationsgeschichte und an Konsumierende. Der GSJ ist mehrsprachig aufgestellt und sitzt zudem in der kantonalen Beratungskommission zur Prostitution.

GSJ und SSJU sind faktisch die beiden Stellen im Kanton, die den Kontakt zur Szene halten. Sie ersetzen keine spezialisierte Sexarbeits-Fachstelle mit systematischer aufsuchender Arbeit in den Salons — aber sie sind die Türen, die im Jura offen stehen.

### Nach einer Straftat: das LAVI-Beratungszentrum

Wer körperlich, psychisch oder sexuell direkt geschädigt wurde, hat nach dem eidgenössischen Opferhilfegesetz Anspruch auf Opferhilfe. Im Jura läuft das über das **Centre de consultation LAVI / Service d’aide aux victimes** in Delémont, Telefon 032 420 81 00, lavi@ssrju.ch. (Zur Adresse kursieren zwei Angaben — Quai de la Sorne 22 und Rue de la Molière 28. Vor dem Hingehen kurz anrufen.)

Zwei Missverständnisse räumt man hier am besten sofort aus:

1. **Du musst keine Anzeige erstattet haben.** Die LAVI-Beratung steht unabhängig von einem Strafverfahren offen. Wer erst einmal wissen will, was eine Anzeige bedeuten würde, kann genau das dort besprechen, ohne sich zu binden.
2. **Die Beratung ist kostenlos und vertraulich** , und sie umfasst mehr als ein Gespräch: rechtliche, medizinische, psychologische, soziale und materielle Hilfe, Begleitung in Verfahren, Weitervermittlung an Ärztinnen, Therapeuten und Anwältinnen.

Dass Sexarbeitende diesen Anspruch haben wie alle anderen auch, ist juristisch trivial und in der Praxis alles andere. Es lohnt sich, den Satz im Kopf zu haben, bevor man ihn braucht.

### Koordination und Gleichstellung: das Bureau de l’égalité

Die **Déléguée à l’égalité** (Route de Moutier 16, 2800 Delémont, 032 420 79 00, groupecoordinationviolence@jura.ch) leitet die kantonale Koordinationsgruppe Gewalt und ist zugleich die Stelle, bei der die beratende Kommission zur Prostitution angesiedelt ist. In dieser Kommission sitzen unter anderem die Kantonspolizei, der Wirtschafts- und Arbeitsdienst, der Groupe Sida Jura und das Centre de planning familial. Ihr Auftrag: die Zusammenarbeit der Akteure gegen Zwangsprostitution koordinieren.

Für den Alltag heisst das weniger, als es klingt — es ist ein Gremium, keine Hotline. Aber es ist der Ort, an dem strukturelle Probleme im Kanton überhaupt adressiert werden können, und die telefonische Auskunft des Büros ist kostenlos und vertraulich.

### Die Polizei — und was sie im Jura konkret tut

Die Kantonspolizei kann Salons und ihre Nebenräume jederzeit kontrollieren, Identitäten der Verantwortlichen und der anwesenden Personen prüfen. Zuständig ist eine eigene Brigade gegen Menschenhandel und unerlaubte Prostitution. Diese Doppelrolle — Kontrolle und Schutz in derselben Uniform — ist der Grund, warum viele zögern. Für den Notfall gilt trotzdem: bei unmittelbarer Gefahr **117** , medizinisch **144**.

## Was sich 2026 tatsächlich verbessert hat

### Das 142 — eine Nummer statt einer Recherche

Seit dem **1. Mai 2026** gibt es in der Schweiz eine nationale Hilfsnummer für Gewaltbetroffene: die **142**. Kostenlos, vertraulich, 24 Stunden an 7 Tagen, für Betroffene von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt — und ausdrücklich auch für Angehörige und Vertrauenspersonen. Ab dem 1. Juni 2026 wurde sie im Rahmen der zweiten Welle der nationalen Kampagne „Gleichstellung gegen Gewalt“ in der ganzen Schweiz beworben; im Jura koordiniert das Bureau de l’égalité die Kampagne.

Wichtig zur Einordnung: Das 142 ist **keine Notrufnummer**. Es hört zu, ordnet ein und vermittelt weiter an die passende Stelle. Bei akuter Gefahr bleibt es beim 117.

Warum das für Sexarbeitende im Jura mehr zählt als anderswo: In einem Kanton ohne spezialisierte Fachstelle ist das Hauptproblem selten der Mangel an Hilfe — es ist der Mangel an Einstiegspunkten. Eine dreistellige Nummer, die man sich merken kann und die rund um die Uhr besetzt ist, ersetzt eine halbe Stunde Recherche zu einem Zeitpunkt, an dem niemand recherchieren will.

### Ein neues Gesetz gegen häusliche Gewalt

Im Juli 2026 hat das Jurassische Parlament einstimmig ein kantonales Gesetz zur Prävention und Bekämpfung häuslicher Gewalt verabschiedet. Anlass war ein alarmierender Anstieg: 295 Straftaten im Jahr 2024, ein Plus von rund 60 Prozent. Das Gesetz ruht auf fünf Achsen — Opferschutz, Arbeit mit gewaltausübenden Personen, Kinderschutz, Prävention und Ausbildung sowie Monitoring über ein neues kantonales Statistikregister. Die praktisch greifbarste Änderung: Die maximale Dauer der Wegweisung aus der Wohnung steigt von 10 auf 30 Tage.

Das Gesetz zielt auf häusliche Gewalt, nicht auf Sexarbeit. Aber die Schnittmenge ist grösser, als die Kategorien suggerieren: Gewalt in der Partnerschaft, ausbeuterische Beziehungskonstellationen und Druck im Arbeitsumfeld überlappen sich, und ein längerer Wegweisungszeitraum verschafft in genau diesen Fällen Luft.

### Acht Apotheken als stiller Einstieg

Eine Jurassische Eigenheit, die es verdient, bekannter zu sein: Acht Apotheken im Kanton haben ein Label erhalten, das eine Schulung durch die Gleichstellungsbeauftragte, den Kantonsapotheker und PharmaJura bescheinigt. Das Personal in 21 Jurassischen Apotheken kann diese Weiterbildung absolvieren. Diese Apotheken sind damit Orte für Aufnahme, Zuhören und Weitervermittlung.

Der Wert liegt in der Unauffälligkeit. In eine Apotheke zu gehen erklärt sich von selbst — gegenüber Nachbarn, gegenüber einem kontrollierenden Partner, gegenüber einem Betreiber. In einem Kanton, in dem jeder jeden kennt und Anonymität knapp ist, ist ein Ort, den man ohne Begründung betreten kann, kein Nebenaspekt.

## Die Lücke, die 2026 bestehen bleibt

Jetzt der unangenehme Teil, und er ist präzise dokumentiert: **Alle lateinischen Kantone ausser dem Jura verfügen über einen Kooperationsmechanismus gegen Menschenhandel.**

Diese Mechanismen — meist „runde Tische“ genannt — bringen Strafverfolgungsbehörden, Opferschutzorganisationen, kantonale Dienste und Zivilgesellschaft regelmässig an einen Tisch. Der Nutzen ist empirisch belegt: schnellere Fallbearbeitung, ein gemeinsames Vorgehen und, am wichtigsten, mehr identifizierte Opfer. Wo niemand systematisch hinschaut, wird niemand gefunden.

Die Lücke wird dadurch grösser, dass die spezialisierten Opferschutzstrukturen der Nachbarschaft am Kanton vorbeilaufen. Die Fondation **Astrée** in Lausanne — die einzige Struktur ihrer Art in der Romandie, mit sicherer Unterbringung und Begleitung für Betroffene von Menschenhandel und Ausbeutung — hat ein Waadtländer Mandat und wird zu rund 95 Prozent vom Kanton Waadt finanziert. Die **FIZ** in Zürich betreibt ihr Opferschutzprogramm mit Schutzunterkünften für die Deutschschweiz und den Kanton Freiburg. Der Jura fällt in beiden Fällen nicht in den Zuständigkeitsbereich.

Was bleibt, ist national erreichbar und deshalb hier ausdrücklich genannt:

- **ACT212** , die nationale Melde- und Beratungsstelle gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung: **0840 212 212** , Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Meldungen sind auch anonym möglich, per Telefon oder Online-Formular.
- Das Online-Tool **legalwork.procore-info.ch** des Netzwerks ProCoRe: kantonsweise Informationen zu Auflagen je nach Aufenthaltsstatus und Arbeitsform, mit Kontakten zu Beratungsstellen in der Nähe.

Dass die Beratung teilweise ausserhalb der Kantonsgrenze stattfindet, ist übrigens kein Jurassisches Unikum. Die Zentralschweiz kennt dasselbe Muster — [wer in Uri arbeitet, wird faktisch in Luzern beraten](https://forum.6love.ch/t/wer-in-uri-arbeitet-wird-in-luzern-beraten-sexarbeit-im-kanton-uri-zwischen-bundespflicht-gemeindeschalter-und-der-zentralschweizer-anlaufstelle-2026/2868). Kleine Kantone teilen sich Infrastruktur. Problematisch wird es erst dort, wo weder eine eigene noch eine geteilte Struktur existiert.

## Eine Warnung von nebenan: der Fall Neuenburg

Wer denkt, eine bestehende Fachstelle sei ein dauerhafter Besitzstand, sollte 2026 über die Kantonsgrenze schauen. Das Programm **THAYS** von Médecins du Monde bietet in Neuenburg seit 2019 Prävention und Zugang zu Versorgung für Sexarbeitende. Nach dem Rückzug von Bundesgeldern fehlen dem Programm **CHF 140’000** , um weiterzulaufen. Die Organisation hat den Kanton öffentlich um diese Summe gebeten; der Kanton zahlt der NGO bereits rund CHF 500’000 pro Jahr und hat Gespräche im Herbst in Aussicht gestellt. Ein Ende von THAYS würde bedeuten, den für 2026 bis 2029 unterzeichneten Leistungsvertrag zu kündigen.

Die Grössenordnung zeigt, worum es geht: Im Jahr 2024 waren im Kanton Neuenburg über 1’326 Sexarbeitende tätig. Der Satz, mit dem die Projektverantwortliche die Lage zusammenfasste — verschwinde das Programm, hätten Sexarbeitende keine Eingangstür zur Gesundheitsversorgung mehr —, beschreibt exakt jenen Zustand, den der Jura in weiten Teilen ohnehin schon kennt.

Ein Nebenbefund, der einen Vergleich verhindert: Für den Jura sind keine aktuellen, öffentlich publizierten Zahlen zu gemeldeten Sexarbeitenden auffindbar. Ältere Medienberichte aus der Zeit um das Inkrafttreten der LProst nannten rund ein Dutzend Salons — diese Grössenordnung ist heute nicht mehr belastbar und sollte nicht als aktuelle Zahl weitergegeben werden. Wer belastbare Angaben braucht, fragt beim SEE nach.

## Moutier: seit dem 1. Januar 2026 ein neues Zuständigkeitsnetz

Seit dem 1. Januar 2026 gehört Moutier mit rund 7’300 Einwohnerinnen und Einwohnern zum Kanton Jura. Für die Beratungslandschaft ist das keine Formalie, sondern ein kompletter Wechsel der Adressen.

Bisher lief die Opferhilfe für Moutier über Berner Strukturen — etwa Solidarité femmes Bienne & région, ein vom Kanton Bern anerkanntes LAVI-Zentrum mit ambulanter Beratung und Schutzunterkunft. Neu greifen für Moutier die Jurassischen Zuständigkeiten: das LAVI-Zentrum in Delémont, das Bureau de l’égalité, SSJU und GSJ, und in Sachen Meldung und Bewilligung der SEE statt der Berner Behörden.

In Übergangsphasen entstehen Löcher — Menschen rufen die Nummer an, die sie kennen, und die ist plötzlich nicht mehr zuständig. Wer in oder um Moutier arbeitet, klärt die aktuelle Zuständigkeit deshalb aktiv ab, statt sie vorauszusetzen. Was der Kantonswechsel für die räumlichen Möglichkeiten der Sexarbeit bedeutet, ist in der [Bestandsaufnahme von Delémont bis Moutier](https://forum.6love.ch/t/ein-kanton-mit-wenig-stadt-wo-sexarbeit-im-jura-raeumlich-ueberhaupt-platz-hat-von-delemont-bis-zum-neuen-fall-moutier-2026/2900) im Detail beschrieben.

## Was du selbst absichern kannst

Ein Beratungsnetz mit Lücken heisst nicht, dass man ohne Absicherung dasteht — es heisst, dass ein Teil der Sicherheit ohne Institutionen funktionieren muss. Vier Dinge, die im Jura besonders tragen, weil die Distanzen gross und die Strukturen dünn sind:

**Ein Check-in-Kontakt.** Eine Person, die weiss, wo du bist und wann du dich wieder meldest — mit einer klaren Abmachung, was passiert, wenn die Meldung ausbleibt. In einem Kanton, in dem eine Fahrt von Porrentruy nach Delémont Zeit kostet, ist die Reaktionszeit von Angehörigen fast immer kürzer als jede andere.

**Screening vor dem Termin.** Erreichbare Nummer, überprüfbare Angaben, keine Ausnahmen bei Druck oder Eile. Wer auf Drängen die eigenen Regeln lockert, hat sie nicht.

**Getrennte Identitäten.** Arbeitsnummer, Arbeitsmail und private Daten strikt auseinanderhalten. In einem kleinen Kanton ist die soziale Reichweite eines Datenlecks ungleich grösser als in einer Grossstadt.

**Die Nummern vor dem Notfall speichern.** 117 bei Gefahr, 144 medizinisch, 142 für Gewaltbetroffene rund um die Uhr, 0840 212 212 bei Verdacht auf Ausbeutung. Im Moment, in dem man sie braucht, sucht man sie nicht mehr.

## Fazit: das Netz kennen, bevor man hineinfällt

Sicherheit und Beratungsstellen im Kanton Jura sind 2026 nicht schlecht aufgestellt — sie sind **verteilt**. Es gibt keinen einzelnen Namen, den man sich merken kann, sondern eine Handvoll Stellen mit klar getrennten Rollen: SSJU und GSJ für Gesundheit und Prävention, LAVI für alles nach einer Straftat, das Bureau de l’égalité für Koordination und Gewaltfragen, der SEE für die administrative Seite, das 142 als Einstieg rund um die Uhr, ACT212 bei Verdacht auf Ausbeutung.

Das Jahr 2026 hat dabei echte Verbesserungen gebracht: eine nationale Nummer, die den Einstieg auf drei Ziffern reduziert, ein einstimmig verabschiedetes kantonales Gewaltschutzgesetz mit längerer Wegweisungsdauer, und ein Netz geschulter Apotheken, die man ohne Erklärung betreten kann. Offen bleibt der Kooperationsmechanismus gegen Menschenhandel, den alle anderen lateinischen Kantone haben — und eine spezialisierte Fachstelle für Sexarbeit, die es im Jura schlicht nicht gibt.

Bis sich das ändert, gilt eine unspektakuläre Regel: Speichere die Nummern, bevor du sie brauchst, und ruf im Zweifel die Stelle an, die dem Berufsgeheimnis unterliegt, bevor du die anrufst, die es nicht tut. Verbindlich ist am Ende nur, was die zuständige Amtsstelle selbst sagt — für die administrative Seite der SEE in Delémont, für alles Weitere die genannten Beratungsstellen.
