# Zwei Teams für elf Landkreise: Sicherheit und Beratungsstellen für Sexarbeitende in Sachsen-Anhalt 2026

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**Category:** Sachsen-Anhalt\
**Tags:** beratungsstellen, prostschg, gesundheit, sachsen-anhalt, sicherheit\
**Created:** [18. September 2026 um 08:42 UTC](https://forum.6love.ch/t/zwei-teams-fuer-elf-landkreise-sicherheit-und-beratungsstellen-fuer-sexarbeitende-in-sachsen-anhalt-2026/3052 "2026-09-18T08:42:50Z")\
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**Author:** ![6love\_redaktion](https://forum.6love.ch/letter_avatar_proxy/v4/letter/6/96bed5/32.png) [@6love\_redaktion](https://forum.6love.ch/u/6love_redaktion)\
**Post date:** [18. September 2026 um 08:42 UTC](https://forum.6love.ch/t/zwei-teams-fuer-elf-landkreise-sicherheit-und-beratungsstellen-fuer-sexarbeitende-in-sachsen-anhalt-2026/3052/1 "2026-09-18T08:42:50Z")

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Zum 31. Dezember 2025 waren in Sachsen-Anhalt 324 Personen gültig nach dem Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) angemeldet. Ein Jahr zuvor waren es 377 – ein Rückgang um 53 Personen oder rund 14 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. 236 der Angemeldeten (73 Prozent) waren zwischen 21 und unter 45 Jahre alt, 268 (83 Prozent) hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit; die häufigsten Staatsangehörigkeiten waren die rumänische und die ungarische mit je 71 Personen.

Diese Zahlen sagen wenig darüber aus, wie viele Menschen im Land tatsächlich sexuelle Dienstleistungen anbieten. Sie sagen aber sehr viel darüber, wie ein Hilfesystem gebaut sein muss, das diese Menschen erreichen will: Wer nicht angemeldet ist, taucht in keiner Behördenliste auf. Wer in einem Landkreis mit 60.000 Einwohnern arbeitet, hat keine Beratungsstelle um die Ecke. Und wer alle paar Wochen die Stadt wechselt, kennt die örtlichen Strukturen nicht.

Genau deshalb ist die wichtigste Anlaufstelle in Sachsen-Anhalt keine Adresse, sondern ein Auto.

## Ein Flächenland ohne Milieumeile

Sachsen-Anhalt hat kein sichtbares Rotlichtviertel im Sinne von Hamburg, Frankfurt oder Köln. Die Anmeldungen konzentrieren sich auf Halle (Saale) und Magdeburg – Halle verzeichnet dabei die meisten Anmeldungen im Land –, verteilen sich darüber hinaus aber auf Wohnungen, kleine Studios und Betriebe in der Fläche. Auch rechtlich fehlt die Kulisse: Flächendeckende Sperrbezirksverordnungen sind hier die Ausnahme, [wo Sexarbeit stattfinden darf, entscheidet in der Praxis das Bauplanungsrecht](https://forum.6love.ch/t/der-sperrbezirk-den-es-kaum-gibt-warum-in-sachsen-anhalt-das-baurecht-entscheidet-wo-sexarbeit-erlaubt-ist-2026/2840) – also die Frage, welche Nutzung in welchem Gebiet zulässig ist.

Für die Sicherheitsfrage hat das zwei Folgen. Erstens: Arbeitsorte sind eher privat, eher klein, eher unauffällig – und damit auch weniger von Kolleginnen und Kollegen umgeben, die im Zweifel etwas mitbekommen. Zweitens: Es gibt keinen Ort, an dem Streetwork „einfach vorbeischaut“. Beratung muss gefahren werden.

Der Vollzug des ProstSchG liegt seit dem Inkrafttreten des Landes-Ausführungsgesetzes am 23. März 2019 bei den elf Landkreisen und den drei kreisfreien Städten Dessau-Roßlau, Halle (Saale) und Magdeburg. Das heißt: 14 Behördenstrukturen, 14 Arbeitsweisen – und daneben ein Hilfesystem, das versucht, landesweit einheitlich erreichbar zu sein.

## Magdalena: die Beratungsstelle, die zu dir fährt

**Magdalena – Mobile Beratung für Sexarbeiter\*innen** ist seit 2016 die unabhängige Fachberatungsstelle für Sexarbeitende in Sachsen-Anhalt. Trägerin ist der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. Das Büro liegt im Seepark 7 in 39116 Magdeburg, erreichbar werktags von 8 bis 16 Uhr unter **0391 99977 860** oder per E-Mail an [magdalena@awo-sachsenanhalt.de](mailto:magdalena@awo-sachsenanhalt.de).

Entscheidend ist aber die Struktur dahinter: Magdalena arbeitet mit zwei mobilen Teams, **Team Nord** und **Team Süd** , die regelmäßig Arbeitsorte im ganzen Bundesland aufsuchen – in allen elf Landkreisen und den drei kreisfreien Städten. Team Süd deckt unter anderem Halle (Saale) und Dessau-Roßlau ab. Beide Teams haben eigene Mobilnummern (Team Nord unter anderem 0170 3735826, Team Süd unter anderem 0170 3735827); weil sich Diensthandys und Zuständigkeiten ändern können, lohnt vor dem ersten Kontakt ein Blick auf die aktuelle Kontaktseite der AWO.

Beraten wird auf Deutsch, Englisch und Französisch. Für andere Sprachen arbeitet die Stelle mit professionellen Dolmetschenden – telefonisch oder als Sprachmittlung bei Terminen in Behörden, Arztpraxen und anderen Einrichtungen. Bei einem Anteil von 83 Prozent Angemeldeten ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist das kein Zusatzangebot, sondern die Grundvoraussetzung dafür, dass Beratung überhaupt ankommt.

### Was das Team konkret übernimmt

Das Angebot ist deutlich breiter, als der Begriff „Beratung“ vermuten lässt:

- **Vorbereitung und Begleitung bei Behördengängen** – vom ersten Termin bis zur Nachbereitung.
- **Unterstützung im Anmeldeverfahren nach ProstSchG** , inklusive der Frage, welche Unterlagen verlangt werden und in welcher Reihenfolge welche Stelle dran ist. Wer den [Ablauf von Gesundheitsberatung und Anmeldung in Sachsen-Anhalt](https://forum.6love.ch/t/erst-das-gesundheitsamt-dann-der-landkreis-anmeldung-nach-prostschg-in-sachsen-anhalt-2026-ablauf-unterlagen-fristen/2815) vorher kennt, geht anders in den Termin.
- **Fragen zu Sozialleistungen, Aufenthaltsstatus und Krankenversicherung.**
- **Berufliche Neuorientierung und Ausstiegsbegleitung** – ergebnisoffen, nicht als Programm mit vorgegebenem Ziel.
- **Psychosoziale Beratung und Krisenintervention.**

Dazu kommen Fragen, die selten in Broschüren stehen, aber den Alltag bestimmen: Wie rechne ich meine Einnahmen sauber ab, wenn mir niemand eine Lohnabrechnung schreibt? Die [steuerliche Seite der Selbständigkeit in Sachsen-Anhalt](https://forum.6love.ch/t/kein-fester-abzug-dafuer-die-volle-rechnung-steuern-und-sozialversicherung-fuer-sexarbeiterinnen-in-sachsen-anhalt-2026/2939) ist für viele der Punkt, an dem sich entscheidet, ob eine Existenz trägt – und finanzieller Druck ist einer der stärksten Treiber dafür, dass Menschen Buchungen annehmen, bei denen ihr Bauchgefühl längst Nein sagt.

### Warum „unabhängig“ das wichtigste Wort ist

Magdalena arbeitet vertraulich, freiwillig, kostenlos und auf Wunsch anonym – und vor allem: unabhängig von Behörden. Die Beratungsstelle ist keine Kontrollinstanz. Sie meldet nichts weiter, sie prüft keine Anmeldung, sie erstattet keine Anzeige über den Kopf der Betroffenen hinweg.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Für viele Sexarbeitende ist jeder Kontakt zu einer Institution mit einem Risiko verbunden – Aufenthaltsstatus, Sorgerechtsfragen, Angst vor Outing im Heimatort. Eine Stelle, die ausdrücklich nicht Teil des Behördenapparats ist, senkt diese Schwelle. Genau deshalb kann sie auch Dinge erfahren, die eine Ordnungsbehörde nie erfährt.

## Gesundheit: der Pflichttermin – und das, was darüber hinausgeht

### Die Beratung nach § 10 ProstSchG

Die gesundheitliche Beratung ist Voraussetzung für die Anmeldung und danach in festen Abständen zu wiederholen: für Personen ab 21 Jahren jährlich, für Personen unter 21 Jahren halbjährlich. Wichtig für die Erwartungshaltung: Es handelt sich um ein **Gespräch** , nicht um eine Untersuchung. Es findet vertraulich statt und kann auf Wunsch anonym geführt werden.

In **Halle (Saale)** ist der Fachbereich Gesundheit zuständig; Terminanfragen laufen über **0345 221 3239** oder [beratung-prostschg@halle.de](mailto:beratung-prostschg@halle.de). Nach dem Gespräch wird eine Bescheinigung mit Vor- und Nachnamen sowie Geburtsdatum ausgestellt – auf Wunsch zusätzlich eine zweite Bescheinigung auf einen **Aliasnamen** (Arbeitsnamen). In **Magdeburg** liegt die Zuständigkeit beim Gesundheits- und Veterinäramt in der Lübecker Straße 32; auch dort sind die Beratungen kostenfrei, unterliegen der Schweigepflicht und werden auf Wunsch anonym durchgeführt. In den Landkreisen ist jeweils das dortige Gesundheitsamt zuständig – Magdalena führt dazu eine Übersicht.

Die Aliasbescheinigung ist eines der praktisch wirksamsten Schutzinstrumente des Gesetzes: Sie erlaubt es, den Nachweis vorzulegen, ohne den bürgerlichen Namen offenzulegen.

### Tests, die niemandem gemeldet werden

Die Pflichtberatung ersetzt keine Diagnostik. Dafür gibt es in Sachsen-Anhalt zwei etablierte Strukturen:

- Das **Zentrum für sexuelle Gesundheit** in der Herderstraße 17 in Magdeburg, getragen von der Aidshilfe Sachsen-Anhalt Nord e. V., bietet anonyme Tests und Beratung an.
- Die **AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e. V.** bietet Schnelltests unter anderem auf HIV, Syphilis sowie Hepatitis an; für den Standort Halle wird eine Voranmeldung unter **0345 5821270** empfohlen. Für einen Schnelltest genügt ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe, das Ergebnis liegt nach rund 15 Minuten vor.

Besonders erwähnenswert ist der gemeinsame **Testtag für Sexarbeiter\*innen** , den Magdalena mit dem Zentrum für sexuelle Gesundheit in Magdeburg durchführt: anonym, ohne gesonderte Voranmeldung, zu einem reduzierten Preis – ausdrücklich damit auch Menschen in prekären Lebenslagen das Angebot nutzen können. Im Anschluss besteht die Möglichkeit für ein vertrauliches Gespräch, etwa zu Anmeldung, Neuorientierung oder persönlichen Fragen. Dieses Format löst ein reales Problem: Gesundheitsversorgung scheitert selten am Willen, oft am Preis, an der Sprache und an der Angst vor dem Wartezimmer.

## Wenn etwas passiert: die Reihenfolge, die man vorher kennen sollte

Im Notfall gilt die **110**. Daneben ist das bundesweite **Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016** rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, kostenlos, anonym und mehrsprachig erreichbar – auch für Angehörige und Fachkräfte, und auch für Situationen, in denen man noch gar nicht weiß, ob man etwas melden will.

### Vertrauliche Spurensicherung: Beweise sichern, ohne Anzeige

Die wichtigste Entwicklung der letzten Jahre für Sachsen-Anhalt läuft unter dem Namen **Netzwerk Evidence** , koordiniert vom Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Halle.

Das Prinzip: Nach häuslicher oder sexualisierter Gewalt können Spuren an Körper und Kleidung medizinisch gesichert und gerichtsfest dokumentiert werden – **ohne dass eine Anzeige erstattet wird**. Polizei und Staatsanwaltschaft sind an diesem Verfahren nicht beteiligt. Die Dokumentation wird bis zu 30 Jahre aufbewahrt. Entscheidet sich die betroffene Person später doch für eine Anzeige, kann sie den Zugriff auf die gesicherten Spuren freigeben.

Das Angebot startete im Herbst 2024 an den Universitätskliniken in Halle und Magdeburg und ist inzwischen auf acht Häuser ausgeweitet, darunter das Evangelische Krankenhaus Paul Gerhardt Stift in Wittenberg und das Städtische Klinikum Dessau. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung; das Land finanziert den Aufbau des Netzwerks und die Schulung des Personals.

Praktisch heißt das: möglichst rasch nach der Tat in die Notaufnahme eines teilnehmenden Hauses gehen und **ausdrücklich nach der vertraulichen Spurensicherung fragen**. Wer diese Möglichkeit erst Wochen später erfährt, hat die Entscheidung faktisch schon verloren – deshalb gehört sie in jeden Sicherheitsplan, nicht erst in die Krise.

### Schutzunterkunft und das, was sich rechtlich gerade ändert

In Sachsen-Anhalt bestanden zuletzt rund 19 Frauenhäuser (Stand 2023), begleitet von ambulanten Beratungsstellen, deren Arbeit das Land fördert. Die Vermittlung eines Platzes läuft in der Regel über das Hilfetelefon oder über eine Beratungsstelle vor Ort.

Auf Bundesebene wurde im Februar 2025 das **Gewalthilfegesetz** verabschiedet. Es verpflichtet die Länder ab dem 1. Januar 2027, ausreichend Schutz- und Beratungsangebote sicherzustellen; der individuelle Rechtsanspruch auf kostenlosen Schutz und Beratung greift ab dem 1. Januar 2032. Bis dahin gilt weiterhin: Platzvergabe nach Kapazität, nicht nach Anspruch. Wie sich das konkret auf die Ausstattung in Sachsen-Anhalt auswirkt, entscheidet sich in den Landeshaushalten der kommenden Jahre.

## Druck, Abhängigkeit, Ausbeutung: Vera, LKA und Strafverfolgung

Wenn es nicht um einen einzelnen Übergriff geht, sondern um ein Abhängigkeitsverhältnis – einbehaltene Papiere, Schulden, die nie kleiner werden, ein „Chef“, der über die Einnahmen verfügt –, ist die **Fachstelle Vera** die zuständige Fachberatungsstelle gegen Menschenhandel und Zwangsverheiratung in Sachsen-Anhalt. Auch sie wird vom AWO Landesverband getragen, sitzt ebenfalls im Seepark 7 in Magdeburg und ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter **0391 99977 850** erreichbar (mobil 0170 6809474, [vera@awo-sachsenanhalt.de](mailto:vera@awo-sachsenanhalt.de)).

Vera leistet psychosoziale Beratung und Begleitung bis in Gerichtsverfahren hinein, unterstützt bei Behördenkontakten und bereitet – falls gewünscht – eine Rückkehr ins Herkunftsland vor. Für Betroffene von Menschenhandel besteht ein Anspruch auf Beratung durch eine Fachberatungsstelle sowie auf psychosoziale Prozessbegleitung; diese Beratung ist kostenlos, anonym möglich und behördenunabhängig.

Auf Strafverfolgungsseite ist im **Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt das Dezernat 41 (Organisierte Kriminalität)** für Menschenhandel und Schleusungskriminalität zuständig. Bei einer der Staatsanwaltschaften des Landes bestehen seit 2024 zwei Sonderdezernate für Ausbeutung von Prostituierten, Zuhälterei, Menschenhandel und Zwangsprostitution; in den übrigen Staatsanwaltschaften werden diese Verfahren in den allgemeinen Abteilungen bearbeitet. Dass solche Verfahren keine Randerscheinung sind, zeigte unter anderem eine Durchsuchungsaktion im Februar 2026, an der über 320 Einsatzkräfte in fünf Bundesländern – darunter Sachsen-Anhalt – beteiligt waren.

Für die Frage, wie man als Zeugin oder Opfer durch ein Strafverfahren kommt, ohne daran zu zerbrechen, ist die **Opferhilfe Sachsen-Anhalt** die Sammelstelle: Die Zentrale Anlaufstelle Opferberatung im Justizministerium ist unter **0391 567-6165** und [opferhilfe@sachsen-anhalt.de](mailto:opferhilfe@sachsen-anhalt.de) erreichbar. Opferberatung und psychosoziale Prozessbegleitung bieten zudem die Sozialen Dienste der Justiz an mehreren Standorten an, unter anderem in Halle, Dessau-Roßlau und Halberstadt.

## Prävention im Alltag: was ohne Behörde trägt

Keine Beratungsstelle ersetzt die Routinen, die im Moment selbst greifen müssen. Bewährt haben sich:

- **Ein fester Check-in-Kontakt** : eine Kollegin, eine Freundin, jemand, der weiß, wann ein Termin beginnt und wann die Rückmeldung kommen muss – und was zu tun ist, wenn sie ausbleibt.
- **Ein Codewort** , das in einer Nachricht harmlos aussieht und trotzdem eindeutig ist.
- **Kundendaten vor dem Termin** , nicht danach – und die Bereitschaft, eine Buchung abzusagen, wenn die Angaben nicht stimmen.
- **Getrennte Kommunikationswege** zwischen Arbeitsname und Privatleben, inklusive getrennter Rufnummer.
- **Die Nummern gespeichert, bevor sie gebraucht werden** : 110, 116 016, Magdalena, das nächstgelegene Haus mit vertraulicher Spurensicherung.

Rechtlich flankiert wird das durch § 32 ProstSchG: Bei Geschlechtsverkehr besteht eine Kondompflicht, die sich an die Kunden richtet, und es ist verboten, für sexuelle Dienstleistungen ohne Kondom zu werben. Das ist kein Schutzschild, aber es ist ein Argument – und es verschiebt die Begründungslast weg von der sexarbeitenden Person.

Wer in einem Betrieb arbeitet, sollte zudem wissen, dass eine Prostitutionsstätte in Sachsen-Anhalt erlaubnispflichtig ist und dabei bauliche wie organisatorische Mindestanforderungen erfüllen muss. Dass [erst zwei Genehmigungen zusammen einen Betrieb rechtmäßig machen](https://forum.6love.ch/t/zwei-genehmigungen-ein-betrieb-was-eine-prostitutionsstaette-in-sachsen-anhalt-2026-wirklich-erlaubt-macht/2796), ist nicht nur Behördenformalismus: An der Erlaubnis hängen Anforderungen, die im Ernstfall über Fluchtwege, Zugänglichkeit und Alarmierung entscheiden. Ende 2024 waren im Land 62 Erlaubnisse für Prostitutionsstätten erteilt, davon 31 in Magdeburg.

## Die Strukturen hinter den Strukturen

Zwei Formate sind erwähnenswert, weil sie über Einzelfallhilfe hinausgehen. Der von Magdalena initiierte **Runde Tisch Sexarbeit** bringt seit 2019 Behörden und Einrichtungen zusammen, die das ProstSchG in Sachsen-Anhalt umsetzen – mit dem erklärten Ziel, Hürden im Anmeldeverfahren abzubauen. Und am 2. September 2026 fand in Magdeburg das erste **Dialogforum „Lebenswelten und Realitäten in der Sexarbeit“** statt, eine ganztägige Fachveranstaltung im Seepark 7 unter dem Leitgedanken, mit Sexarbeitenden zu reden statt über sie.

Das ist mehr als Symbolik. In einem Land mit 14 vollziehenden Behörden ist der einzige Weg zu halbwegs einheitlicher Praxis der, dass sich diese Behörden regelmäßig an einen Tisch setzen – und dass jemand am Tisch sitzt, der die Perspektive der Betroffenen einbringt. Wer im Anmeldeverfahren auf eine unsinnige Anforderung stößt, sollte das Magdalena melden: Dort landet es in einer Struktur, die es weitertragen kann.

Wie unterschiedlich das ausfallen kann, zeigt der Blick über die Landesgrenze – in [Sachsen ist das Beratungsnetz auf mehrere spezialisierte Träger verteilt](https://forum.6love.ch/t/die-nummer-die-du-vor-dem-notfall-speicherst-sicherheit-und-beratungsstellen-in-sachsen-2026/3046), während Sachsen-Anhalt auf ein mobiles Landesangebot setzt. Beides hat Vor- und Nachteile: mehr Standorte gegen mehr Einheitlichkeit.

## Was du dir speichern solltest

- **110** – Notruf.
- **116 016** – Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, 24/7, anonym, mehrsprachig.
- **0391 99977 860** – Magdalena, Mobile Beratung für Sexarbeiter\*innen, werktags 8–16 Uhr.
- **0391 99977 850** – Fachstelle Vera, Menschenhandel und Zwangsverheiratung, Mo–Fr 9–16 Uhr.
- **0391 567-6165** – Zentrale Anlaufstelle Opferberatung Sachsen-Anhalt.
- **0345 221 3239** – Gesundheitsberatung nach ProstSchG, Halle (Saale).
- **0345 5821270** – AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd, Schnelltest-Anmeldung.
- Das nächstgelegene Krankenhaus mit **vertraulicher Spurensicherung** – heraussuchen, bevor es gebraucht wird.

## Zum Schluss: Wer verbindlich Auskunft gibt

Dieser Überblick ersetzt keine Auskunft im Einzelfall. Für alles, was das Anmeldeverfahren, die Erlaubnis für einen Betrieb oder örtliche Beschränkungen betrifft, ist die Behörde des jeweiligen **Landkreises beziehungsweise der kreisfreien Stadt** zuständig – und die Regelungen unterscheiden sich von Kommune zu Kommune. Öffnungszeiten, Durchwahlen und Zuständigkeiten ändern sich; ein Anruf vorab spart im Zweifel eine ganze Anfahrt.

Die gute Nachricht in einem Flächenland: Man muss nicht wissen, welche Stelle die richtige ist. Es genügt, eine anzurufen, die weiterleitet. In Sachsen-Anhalt ist das für Sexarbeitende in den allermeisten Fällen Magdalena.
