Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Ludwigsburg ermitteln gegen einen 33-jährigen Mann, der in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen mehrfach Sexarbeiterinnen überfallen haben soll. Darüber haben am 7. Oktober 2026 unter anderem t-online und die Ludwigsburger Kreiszeitung berichtet.
Nach Angaben der Behörden geht es um drei Fälle zwischen August und Anfang Oktober 2026 in Kornwestheim, Weissach und Tamm. Die Vorwürfe lauten auf Vergewaltigung und Raub beziehungsweise versuchte Taten; in einem Fall soll eine Waffe im Spiel gewesen sein. Entscheidend für die Branche ist das Muster: Der Beschuldigte soll die Termine jeweils über ein Internetportal vereinbart haben. Die Festnahme erfolgte am 5. Oktober, einen Tag später ordnete das Landgericht Stuttgart Untersuchungshaft an. Die Polizei geht davon aus, dass es weitere Betroffene geben könnte, und bittet um Hinweise – unter der Nummer 0800 1100225 oder per E-Mail an die Kriminalpolizei Böblingen ([email protected]).
Was das für den Arbeitsalltag heisst
Der Fall beschreibt ein Risiko, das viele hier kennen: eine Anfrage, die ausschliesslich digital hereinkommt, ein Termin allein in einer Wohnung, kein Gegenüber, das die Person vorher kennt. Bewährt haben sich schlichte Routinen – Rückruf auf eine verifizierbare Nummer, ein Safety-Call vor und nach dem Termin, eine Kollegin, die Zeit, Ort und Kontaktdaten kennt, und der Austausch über auffällige Kunden in vertrauenswürdigen Kanälen.
Zweiter Punkt: Dass hier nach rund zwei Monaten ein Haftbefehl steht, hat mit Anzeigen und Hinweisen zu tun. Eine ProCoRe-Studie zeigt, dass Gewalt gegen Sexarbeitende in der Schweiz selten angezeigt wird – aus Misstrauen und aus Angst vor Folgen für Aufenthalt oder Status. Genau diese Lücke nutzen Serientäter. Beratungsstellen begleiten Anzeigen und können im Vorfeld klären, was eine Meldung für den eigenen Status tatsächlich bedeutet; Opferhilfe ist in der Schweiz unabhängig von einer Anzeige und kostenlos.
Wie prüft ihr Anfragen, die nur über Chat oder Plattform kommen – und was hat sich bei euch im Alltag wirklich bewährt?