Bamberg: Tötungsprozess nach BGH-Aufhebung komplett neu aufgerollt

Am Landgericht Bamberg wird ein Strafverfahren neu verhandelt, das bereits einmal entschieden war. Es geht um das Verschwinden einer 33-jährigen Sexarbeiterin im Sommer 2024. Ein 75-jähriger Mann war im Herbst 2025 wegen Totschlags verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil auf: Die erste Kammer habe andere Erklärungen für das Verschwinden der Frau und die Möglichkeit einer anderen Täterschaft nicht ausreichend geprüft. Nun verhandelt eine andere Kammer des Landgerichts den Fall von vorn. Die Frau wurde bis heute nicht gefunden, der Angeklagte schweigt wie schon im ersten Verfahren. Verhandlungstermine sind bis Mitte Januar 2027 angesetzt, der Ausgang ist offen. Berichtet hat darüber die Nachrichtenagentur dpa am 12. Oktober 2026.

Was das für die Branche bedeutet

Interessant ist hier weniger der Einzelfall als das, was er über Strafverfolgung sichtbar macht. Verschwindet eine Person aus der Sexarbeit, ist die Beweislage oft dünn: Arbeitsorte wechseln, Kundenkontakte sind kaum dokumentiert, Angehörige leben häufig im Ausland, und wer einen unsicheren Aufenthaltsstatus hat, geht selten früh zur Polizei. Ohne Leichenfund stellen Gerichte sehr hohe Anforderungen an die Beweisführung — zu Recht, denn das schützt vor Fehlurteilen. Die Kehrseite ist, dass gerade Fälle mit Milieubezug am Ende oft ohne rechtliche Klärung bleiben und Angehörige wie Kolleginnen ohne Antwort.

Praktisch heisst das: Routinen, die im Alltag lästig wirken, sind im Ernstfall das Einzige, was zählt. Eine Vertrauensperson, die weiss, wo man arbeitet und mit wem man verabredet ist. Kurze Check-in-Nachrichten vor und nach einem Termin. Notierte Telefonnummern und Buchungsdaten. Der Austausch über Warnmeldungen in Beratungsstellen und kollegialen Netzwerken. Das ist keine Schuldzuweisung an Betroffene — sondern schlicht die Erkenntnis, dass solche Spuren spätere Ermittlungen überhaupt erst möglich machen.

Quelle: Schwäbische Zeitung / dpa, 12. Oktober 2026.

Welche Absprachen oder Check-in-Routinen nutzt ihr selbst, wenn ihr Kundschaft auswärts oder privat empfängt?