Bayern macht Druck für ein Sexkaufverbot — Zahlen und Folgen für die Branche

Bayerns Sozialministerin hat am 5. Oktober 2026 erneut ein Sexkaufverbot nach skandinavischem Muster gefordert. Kern des sogenannten Nordischen Modells: Bestraft werden soll die Kundenseite, nicht die Sexarbeitenden selbst. Dazu kommen laut dem Bericht der Abendzeitung München die Schliessung von Bordellen und ein Ausbau von Ausstiegs- und Beratungsangeboten. Die Ministerin begründet den Vorstoss damit, dass die heutigen Schutzregeln zu schwach seien: «Wir brauchen ein neues Schutz-Modell für Deutschland.»

Die im Artikel genannten Zahlen zeichnen das Bild einer regulierten, aber überschaubar erfassten Branche: Ende Dezember 2025 waren in Bayern 4’826 Personen nach dem deutschen Prostituiertenschutzgesetz angemeldet, 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 368 Betriebe verfügten über eine Erlaubnis. 86,4 Prozent der Angemeldeten haben keinen deutschen Pass. Kritische Stimmen warnen im Bericht, ein Sexkaufverbot würde einen Teil der Arbeit in die Illegalität verschieben.

Was das praktisch heisst

Zunächst wenig: Es handelt sich um eine politische Forderung aus einem Bundesland, nicht um ein laufendes Gesetzgebungsverfahren. Trotzdem ist die Debatte für die Schweiz relevant. Erstens arbeiten viele Sexarbeitende grenzüberschreitend — Regelwechsel in Deutschland verändern Reisewege, Mietmodelle und Einkommen auch hier. Zweitens ist das Argumentationsmuster bekannt: Je stärker die Kundenseite kriminalisiert wird, desto schlechter lassen sich Dienstleistungen offen ausschreiben, Räume legal mieten und Vorfälle bei der Polizei melden. Genau diese Sichtbarkeit ist aber die Grundlage von Sicherheit. Drittens zeigt der hohe Anteil von Personen ohne Inlandspass, wie zentral Aufenthalts- und Meldefragen für den Arbeitsalltag sind — ein Punkt, der in der Schweiz mit den kantonalen Melde- und Bewilligungsverfahren direkt vergleichbar ist.

In der Schweiz ist Sexarbeit legal und wird kantonal geregelt; ein Sexkaufverbot steht hier derzeit nicht zur Debatte. Wer die deutsche Entwicklung verfolgt, bekommt aber einen Vorgeschmack darauf, welche Argumente auch bei uns wieder auftauchen könnten.

Wie würde sich ein Sexkaufverbot im nahen Ausland auf deinen Arbeitsalltag oder deine Planung auswirken?