Beratungsstellen erreichen Sexarbeitende neu über Inserate-Scan und WhatsApp

Der Blick berichtete am 26. September 2026 über ein Werkzeug, das die Beratungsarbeit im Sexgewerbe umbaut: Das nationale Netzwerk Procore, Dachverband von rund zwei Dutzend Beratungsstellen, lässt eine Software Sexportale nach aktiven Anzeigen durchsuchen, filtert diese nach Region und schreibt die dort hinterlegten Telefonnummern per WhatsApp an. Die Nachricht enthält kein Angebot und keine Frage nach Dienstleistungen, sondern einen Hinweis auf die Beratungsstelle, die im jeweiligen Kanton zuständig ist.

Die Zahlen aus der Pilotphase 2025: 16 Kantone abgedeckt, rund 9’000 Kontakte, etwa zehn Prozent der Angeschriebenen reagierten zeitnah. Weitere melden sich laut Procore erst später, wenn sie tatsächlich Unterstützung brauchen. Bis 2027 soll das Verfahren in der ganzen Schweiz laufen. Den Anlass beschreibt Geschäftsleiterin Rebecca Angelini so: «Die Digitalisierung des Sexgewerbes führt dazu, dass ein Teil der Sexarbeitenden durch klassische Beratung nicht mehr erreichbar ist.» Der Artikel schätzt die Zahl der Sexarbeitenden in der Schweiz auf etwa 20’000 und nennt als Dauerthemen die Mieten – in Zürich 3’000 bis 4’000 Franken im Monat für ein einfaches Zimmer –, die kantonal sehr unterschiedliche Rechtslage sowie digitale Gewalt wie Datenklau und Cyberstalking.

Was das für den Arbeitsalltag heisst: Wer online inseriert, wird künftig mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit von einer unbekannten Nummer angeschrieben – und das ist diesmal kein Zeitdieb und kein Freier, sondern eine Beratungsstelle. Der praktische Nutzen ist real: niederschwelliger Zugang zu Rechts-, Gesundheits- und Sicherheitsberatung, ohne Behördenkontakt und ohne dass man selbst zuerst herausfinden muss, wer im eigenen Kanton überhaupt zuständig ist. Das gilt besonders für Leute, die allein in Wohnungen arbeiten und bisher von keiner aufsuchenden Arbeit erfasst wurden.

Die andere Seite: Die Aktion zeigt, wie einfach Inseratsnummern maschinell abgegrast und regional sortiert werden können. Procore nennt die Anwendung datenschutzkonform – aber technisch kann dasselbe auch jemand ohne gute Absichten. Wer online arbeitet, fährt mit einer separaten Arbeitsnummer weiterhin am besten.

Hat dich schon eine Beratungsstelle unaufgefordert per WhatsApp kontaktiert, und wie hast du reagiert?