
Die Europäische Kommission hat am 27. Mai 2025 offizielle Verfahren gegen vier der größten Pornoseiten der Welt gestartet: Pornhub, Stripchat, **XVideos**und XNXX. Der Vorwurf: Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) – insbesondere bei Jugendschutz, Altersverifikation und mangelnder Transparenz.
Worum geht’s konkret?
Alle vier Seiten gelten als Very Large Online Platforms (VLOPs) – also Plattformen mit mehr als 45 Millionen aktiven Nutzern in der EU. Laut Kommission:
- setzen sie auf oberflächliche Alterskontrollen („Ich bin über 18“)
- fehlt eine belastbare Risikoprüfung zum Schutz Minderjähriger
- sind die Transparenzpflichten bislang unzureichend erfüllt
„Der Schutz von Kindern im digitalen Raum ist eine unserer obersten Prioritäten.“
— EU-Kommission, 27. Mai 2025
Was ist der Digital Services Act (DSA)?
Der DSA ist das zentrale EU-Gesetz zur Regulierung großer Plattformen und verpflichtet sie unter anderem zu:
- wirksamer Moderation von Inhalten (auch algorithmisch)
- Schutz von Minderjährigen und sensiblen Gruppen
- transparenter Werbung und fairer Datenverarbeitung
- Risikobewertungen und Offenlegungspflichten
Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes.
DSA-App: Die Altersverifikation der Zukunft
Um Plattformen bei der Umsetzung zu helfen, entwickelt die EU derzeit eine eigene White-Label-Alterscheck-App, die im Sommer 2025 erscheinen soll.
Features der App:
- Altersverifikation per eID, Passscan, Bank-ID oder Biometrie
- nutzt Zero-Knowledge Proofs → bestätigt Alter, ohne persönliche Daten zu speichern
- Open Source (GitHub) und später integrierbar in die EU-Digital-Wallet
- keine verpflichtende Nutzung – aber DSA-konform
„Die App soll es Plattformen ermöglichen, Minderjährige zuverlässig auszusperren – ohne Datenschutz zu verletzen.“
— EU-Kommissionssprecherin
Reaktionen der Plattformen
Die Betreiber zeigen sich bisher zurückhaltend:
- XVideos & XNXX: argumentieren, dass harte Altersprüfungen „90 % der Nutzer abschrecken“ würden
- Pornhub: verweist auf technische Hürden und Datenschutzbedenken
- Stripchat: hat inzwischen den VLOP-Status verloren, bleibt aber in nationaler Prüfung
Die Plattformen setzen tendenziell auf Endgeräte-Verantwortung (z. B. Jugendschutzfilter durch Eltern) statt Plattformkontrolle.
Was droht den Seiten?
Folgende Maßnahmen sind möglich:
- Verpflichtung zu Altersverifikationssystemen
- Veröffentlichung detaillierter Risikoberichte
- technische Audits oder Zugangsbeschränkungen
- Geldstrafen bis in den zweistelligen Millionenbereich
Fazit
Die DSA-Ermittlungen gegen Pornhub, Stripchat, XVideos und XNXX markieren eine Zeitenwende in der europäischen Plattformregulierung. Die EU greift erstmals aktiv durch, um den Schutz von Kindern im Internet durchzusetzen – mit klaren Regeln, echten Strafen und einer eigenen technischen Lösung.
Ob die Plattformen kooperieren oder Gegenmaßnahmen einleiten, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Zugang zu Pornoseiten wird sich 2025 in Europa grundlegend verändern.