Europol-Bilanz: 248 Ausbeutungsopfer erkannt – Massagestudios im Kontrollfokus

Europol und die Europäische Arbeitsbehörde (ELA) haben am 23. Oktober die Bilanz einer europaweiten Aktionswoche gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung vorgelegt. Die Kontrollen liefen vom 14. bis 20. September 2026 in 34 Ländern. Darüber berichtete news.ORF.at.

Die Zahlen: 16’031 Einsatzkräfte führten 137’810 Kontrollen von Personen, Orten, Fahrzeugen und Dokumenten durch. 248 Opfer und mögliche Opfer wurden identifiziert, überwiegend aus Vietnam, China, Indien und den Philippinen. 27 mutmassliche Menschenhändler wurden verhaftet, 182 Ermittlungsverfahren neu eröffnet – unter anderem wegen sexueller Ausbeutung. Fünf Prozent der erkannten Opfer waren minderjährig. Als Schwerpunktbranchen nennt Europol Landwirtschaft, Bau, Gastgewerbe sowie Nagel- und Massagestudios. EU-Kommissar Magnus Brunner verwies laut ORF darauf, dass Ausbeutung hinter den Fassaden von Läden und Lokalen stattfinde, an denen man täglich vorbeigehe.

Was das für die Branche heisst

Zwei Punkte sind für Sexarbeitende relevant. Erstens die Schwerpunktsetzung: Massage- und Nagelstudios stehen europaweit im Fokus – also Betriebe, in denen auch völlig regulär gearbeitet wird. Wer in einem solchen Umfeld tätig ist, muss damit rechnen, in eine Kontrolle zu geraten, die nicht auf die eigene Person zielt.

Zweitens die Doppelstruktur solcher Einsätze: Neben den 27 Festnahmen wegen Menschenhandels zählt Europol 86 weitere Festnahmen wegen anderer Delikte, ausdrücklich auch illegale Beschäftigung und Prostitution. Dieselbe Razzia, die Opfer identifizieren soll, produziert damit auch ausländer- und arbeitsrechtliche Verfahren gegen Betroffene. Genau diese Vermischung ist der Grund, weshalb Beratungsstellen seit Jahren betonen: Wer Angst vor der eigenen Strafverfolgung hat, meldet Ausbeutung nicht.

Die Schweiz wird in der Meldung nicht erwähnt. Fedpol hat sich an vergleichbaren Europol-Aktionen in den Vorjahren allerdings beteiligt. Praktisch heisst das: Papiere, Melde- beziehungsweise Bewilligungsstatus und die Vereinbarung mit dem Betrieb sollten sauber sein – nicht aus Angst, sondern weil das in einer Kontrolle den Unterschied macht.

Hast du schon eine Kontrolle in einem Betrieb erlebt – und wusstest du in dem Moment, welche Rechte du hast?

Quelle: news.ORF.at, 23. Oktober 2026