Die französische Nationalversammlung hat am Dienstag, 22. September 2026, in einem Sonderausschuss einen Artikel angenommen, der entgeltliche sexuelle Handlungen auf Distanz rechtlich wie Zuhälterei behandelt. Gemeint sind Plattformen wie OnlyFans oder die französische MYM, auf denen Kundschaft individuelle Inhalte bestellt. Der Artikel ist Teil eines grösseren Gesetzespakets gegen sexualisierte Gewalt und soll auch den Kauf solcher Leistungen strafbar machen. Das meldet die Agentur AFP.
Zum Hintergrund: Nach französischem Recht setzt Prostitution körperlichen Kontakt voraus. Online-Angebote fallen deshalb bisher nicht darunter — Vermittler und Agenturen sind über das Zuhälterei-Strafrecht kaum greifbar. Genau diese Lücke will die Vorlage schliessen. Ein ausdrückliches Verbot der Plattformen enthält der Text laut AFP nicht; kritische Stimmen halten ihn in der Wirkung aber für ein faktisches Aus in Frankreich.
Im Ausschuss standen zwei Lesarten gegeneinander. Die Ko-Berichterstatterin Isabelle Rauch (Horizons) sieht im Online-Sexkauf eine Einstiegstür in die physische Prostitution und den digitalen Raum als weitgehend schutzlos. Sarah Legrain (La France Insoumise) hielt dagegen, Sexarbeitende fühlten sich online «viel sicherer» als bei Treffen vor Ort (laut AFP). Auch Kollektive von Content-Creatorinnen warnten, die Regel sei kontraproduktiv und verschiebe Arbeit auf Plattformen ohne jede Regulierung. Die erste Lesung im Plenum ist für den 1. Oktober 2026 angesetzt, der Text kann sich also noch ändern.
Was das für die Branche heisst: Wer in der Schweiz Inhalte produziert, arbeitet meist auf denselben internationalen Plattformen und hat einen relevanten Teil der Kundschaft im Ausland. Bricht ein grosser Markt weg oder ziehen sich Zahlungsdienstleister zurück, trifft das Einkommen direkt — ohne dass sich an der Schweizer Rechtslage etwas ändert. Schweden stellt den Kauf sexueller Online-Inhalte bereits seit 2025 unter Strafe (Hintergrund bei heise). Für viele ist digitale Arbeit eine Sicherheitsstrategie: kein fremdes Zimmer, keine unbekannte Adresse, kein Alleinsein mit Fremden. Fällt dieser Kanal weg, ist die Folge selten ein Ausstieg, sondern häufiger weniger sichtbare Offline-Arbeit.
Quelle: AFP-Meldung vom 22. September 2026, nachzulesen bei Boursorama.
Wie stark hängt euer Einkommen an internationalen Plattformen — und hättet ihr eine Alternative, wenn eine davon morgen wegfiele?