Die französische Nationalversammlung hat am 7. Oktober 2026 einen Gesetzesartikel neu gefasst, der die Bedingungen für bezahlte sexuelle Online-Inhalte grundlegend verändert hätte. Darüber berichtete der Parlamentssender LCP am 8. Oktober 2026.
Hintergrund ist Artikel 25 des sogenannten «loi intégrale», eines Gesamtgesetzes gegen sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt. In der Ausschussfassung wäre der Artikel so weit gegangen, dass Plattformen wie OnlyFans oder MYM unter den Zuhälterei-Tatbestand gefallen wären — und der Kauf sexueller Dienstleistungen aus der Ferne generell strafbar geworden wäre, also auch bei einvernehmlicher Produktion. Im Plenum setzte die Regierung einen Änderungsantrag durch, der den Tatbestand deutlich eingrenzt.
Strafbar ist nun die «exploitation sexuelle en ligne»: wer Personen anwirbt, transportiert, unterbringt oder aufnimmt, damit unter Zwang, Druck oder Ausnutzung einer Schwächesituation sexuelle Bilder oder Videos entstehen und verbreitet werden. Dafür drohen bis zu sieben Jahre Haft und 150’000 Euro. Eine zweite, niedrigere Stufe — drei Jahre und 45’000 Euro — trifft Konsumenten, die solches Material wissentlich und regelmässig oder gegen Bezahlung abrufen. Entscheidend ist die Einschränkung: Das Material muss im Rahmen einer Online-Ausbeutung entstanden sein. Der Konsum von Inhalten einwilligender Erwachsener bleibt straffrei.
Was das bedeutet: Die erste Fassung hätte zahlende Kundschaft in Frankreich kriminalisiert — und damit faktisch den Markt für alle getroffen, die von dort Abonnenten haben, auch für Creator in der Schweiz und im übrigen DACH-Raum. Genau das war die Sorge, die laut dem Bericht aus der Szene kam: Prekarisierung und ein Abwandern auf Plattformen, die weniger reguliert sind und weniger Schutz bieten. Die entschärfte Version hält an der Unterscheidung fest, auf die es auch hierzulande ankommt: Zwang ist die Straftat, nicht die Arbeit selbst. Bemerkenswert bleibt, dass Prostitutionsrecht zunehmend auf digitale Arbeit angewendet wird — ein Muster, das auch die deutsche Sexkaufverbot-Debatte prägt. Der Bericht beschreibt den Entscheid der Nationalversammlung; wie der Text am Ende rechtskräftig aussieht, hängt vom weiteren Verfahren ab.
Wie stark hängt euer Einkommen an Plattformen, deren Rechtslage in einem anderen Land entschieden wird?