Intimität kennt kein Alter: Sexualität und Pflege in der Schweiz

Intimität kennt kein Alter: Sexualität und Pflege in der Schweiz

Das Bedürfnis nach Nähe, Zärtlichkeit und Intimität verschwindet nicht mit dem Alter oder einer Pflegebedürftigkeit. Dennoch ist dieses Thema in der Schweiz noch immer stark tabuisiert. Zeit, das zu ändern.

Ein Grundbedürfnis, das oft vergessen wird

Wenn wir an Pflege denken, stehen meist Medikamente, Körperpflege und Mobilisation im Vordergrund.

Was dabei häufig übersehen wird: Sexualität und Intimität sind grundlegende menschliche Bedürfnisse – unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand.

Studien zeigen, dass über 70 % der Menschen über 65 Jahre sexuell aktiv sind oder sich Intimität wünschen.

Bei pflegebedürftigen Menschen sieht die Realität jedoch oft anders aus:

Das Thema wird verschwiegen, Bedürfnisse werden ignoriert oder als „unpassend“ abgetan.

Die Herausforderungen im Pflegealltag

Für pflegebedürftige Menschen

  • Verlust der Privatsphäre durch Pflegesituationen
  • Körperliche Einschränkungen
  • Schamgefühle gegenüber Pflegenden
  • Fehlende Möglichkeiten für Intimität

Für pflegende Angehörige

  • Rollenwechsel: vom Partner zur Pflegeperson
  • Eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt
  • Unsicherheit im Umgang mit Sexualität
  • Emotionale und körperliche Erschöpfung

Für Pflegefachpersonen

  • Balance zwischen professioneller Distanz und menschlicher Nähe
  • Fehlende Ausbildung zum Thema Sexualität in der Pflege
  • Umgang mit sexuellen Äusserungen oder Bedürfnissen von Patient:innen

Was die Schweiz bereits bietet

Die gute Nachricht: In der Schweiz entstehen zunehmend Angebote, die Pflege und Intimität gemeinsam denken.

Sexualbegleitung für Menschen mit Behinderung

Professionelle Sexualbegleiter:innen ermöglichen Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen, Intimität zu erleben.

Diese Dienstleistung ist legal und wird von spezialisierten Organisationen angeboten.

Schulungen für Pflegepersonal

Einige Spitex-Organisationen und Pflegeheime schulen ihr Personal gezielt im Umgang mit Sexualität im Pflegekontext.

Ziel ist ein offener, respektvoller und professioneller Umgang mit individuellen Bedürfnissen.

Beratungsangebote

Organisationen wie Pro Senectute bieten Beratungen zur Sexualität im Alter an – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige.

Tipps für Angehörige und Pflegende

  1. Das Gespräch suchen
  2. Offene Kommunikation über Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen
  3. Privatsphäre respektieren
  4. Anklopfen, Intimsphäre wahren, Würde schützen
  5. Nicht urteilen
  6. Sexuelle Bedürfnisse sind normal – in jedem Lebensalter
  7. Unterstützung annehmen
  8. Professionelle Pflege kann entlasten und Raum für Intimität schaffen
  9. Sich selbst nicht vergessen
  10. Auch pflegende Angehörige haben eigene Bedürfnisse

Die richtige Unterstützung finden

Ob Spitex-Dienste, die im Alltag entlasten, oder Angebote für pflegende Angehörige:

Professionelle Unterstützung kann helfen, wieder Raum für Nähe, Intimität und Zweisamkeit zu schaffen.

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Fazit

Intimität und Sexualität gehören zum Leben – auch dann, wenn Pflege zum Alltag wird.

Als Gesellschaft müssen wir dieses Tabu brechen und Menschen die Unterstützung geben, die sie brauchen.

Denn ein erfülltes Leben bedeutet mehr als nur körperliche Gesundheit.