Landesmuseum Zürich lässt Sexarbeitende selbst erzählen — Ausstellung läuft bis November

Das Landesmuseum Zürich zeigt seit Anfang Juli eine Videoinstallation zur Sexarbeit in der Schweiz. Berichtet hat darüber unter anderem news.ch am 13. Juli 2026.

Worum es geht

Die Schau gehört zum Format «Erfahrungen Schweiz» und verzichtet bewusst auf Objekte in Vitrinen. Stattdessen kommen elf Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in Videointerviews zu Wort — über Kopfhörer, in voller Länge, ohne Kommentarspur von aussen. Sie schildern ihre eigenen Wege in die Sexarbeit: wirtschaftliche Not, Migration, Verpflichtungen gegenüber der Familie, aber auch den Wunsch nach Selbstbestimmung und finanzieller Unabhängigkeit. Ergänzende Medienstationen ordnen die Geschichte ein, von den Polizeiregistern der 1950er-Jahre über die feministischen Debatten der 1970er bis zu den heutigen Auseinandersetzungen um Arbeitsrecht und Menschenhandel.

Entscheidend ist, wie die Ausstellung entstanden ist: Konzept und Inhalte wurden gemäss dem Landesmuseum gemeinsam mit dem Sexworkers Collective erarbeitet, also mit einer Interessenvertretung der Branche selbst. Zu sehen ist die Installation bis am 1. November 2026, danach in einer zweiten Phase von Januar bis April 2027.

Was das für die Branche heisst

Sexarbeit ist in der Schweiz seit über 80 Jahren legal — das Stigma hat das nie aufgehoben. Genau daran hängen sehr konkrete Alltagsprobleme: Bankkonten, die gekündigt werden. Wohnungen, die man nicht bekommt, wenn die Vermieterin weiss, womit man das Geld verdient. Und die Hemmung, nach Gewalt oder einem Betrug überhaupt zur Polizei zu gehen.

Dass nun ein nationales Museum Sexarbeitenden das Mikrofon überlässt, statt über sie zu sprechen, ist deshalb mehr als ein Kulturtermin. Sichtbarkeit auf Augenhöhe ist das Gegenteil der Erzählung, die politische Vorstösse Richtung Sexkaufverbot tragen — dort erscheinen Sexarbeitende praktisch nur als Opfer ohne eigene Stimme. Wer in dieser Debatte gehört wird, entscheidet am Ende mit darüber, wie reguliert wird.

Wie seht ihr das: Verändert eine solche Ausstellung tatsächlich etwas am Bild der Branche — oder erreicht sie ohnehin nur jene, die schon differenziert hinschauen?