Neue ARD-Serie über Escort-Arbeit – und was die Kritik daran über das Bild der Branche verrät

Fremdmeldung, zusammengefasst aus der taz vom 5. September 2026 sowie einer Einordnung im Standard.

Seit dem 28. August 2026 ist in der ARD die sechsteilige Serie «Selling Sex» zu sehen. Erzählt wird der Weg einer BWL-Studentin, die nach einem zermürbenden Gastro-Job unter Künstlernamen als Escort zu arbeiten beginnt. Regie führte Marie C. König, die eigene Erfahrungen aus der Branche einbrachte. Die Serie stellt offen die Frage, ob Sexarbeit ein selbstbestimmter, feministischer Akt sein kann.

Genau daran entzündet sich die Debatte. Die taz-Rezension hält der Produktion vor, überall dort oberflächlich zu bleiben, wo es unbequem würde: psychische Belastung, schwierige Kundenkontakte und Geldsorgen würden im Erzähltempo weggewischt statt ausgehalten. Die Hauptfigur sei eine Ausnahme – eine gut ausgebildete Frau im oberen Preissegment, während ein grosser Teil der Branche unter deutlich schlechteren Bedingungen arbeite. Auch Feuilletons in der Schweiz und in Deutschland warfen der Serie Hochglanz-Verklärung vor; andere Kritiken fielen wohlwollender aus.

Warum das hier Thema ist

Medienbilder sind selten folgenlos. In der öffentlichen Wahrnehmung konkurrieren seit Jahren zwei Zerrbilder: die glamouröse High-Class-Begleiterin und das durchgehend ausgebeutete Opfer. Beide treffen den Arbeitsalltag der meisten Menschen in der Branche nicht – und beide liefern Munition für Politik, die an der Realität vorbeigeht. Die Debatte fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der in Deutschland erneut über ein Sexkaufverbot nach nordischem Modell gestritten wird und in Schweizer Kantonen laufend an Bewilligungs- und Zonenregeln geschraubt wird. Wer Sexarbeit nur als Luxus oder nur als Elend erzählt, verschiebt damit auch, welche Regulierung als «Schutz» durchgeht.

Wie erlebt ihr das: Hilft eine Serie wie diese der Entstigmatisierung – oder schadet ein Hochglanzbild am Ende mehr, als es nützt?