Niedersachsen: Mehr angemeldete Sexarbeit — am stärksten wächst die Gruppe ab 45

Das Landesamt für Statistik Niedersachsen hat neue Zahlen zur angemeldeten Sexarbeit vorgelegt. Aufbereitet wurden sie am 15. September 2026 von t-online, Stichtag ist das Jahresende 2025.

Erfasst sind 2’827 Personen mit gültiger Anmeldung nach dem deutschen Prostituiertenschutzgesetz — 6,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der erteilten Betriebserlaubnisse stieg um 3,1 Prozent auf 304: 275 Prostitutionsstätten, 23 Prostitutionsfahrzeuge und sechs Vermittlungen. Die grösste Altersgruppe bilden mit 1’951 Personen die 21- bis 44-Jährigen, 94 sind zwischen 18 und 20 Jahre alt. Am schnellsten wächst aber die Gruppe ab 45: 782 Personen, ein Plus von 17,1 Prozent innert Jahresfrist. 2’436 der Angemeldeten haben keinen deutschen Pass, davon 2’203 eine europäische Staatsangehörigkeit; am häufigsten sind rumänische (839), bulgarische (500) und ungarische (248) Staatsangehörige.

Was das heisst

Die Behörden zählen Anmeldungen, nicht Menschen in der Branche. Wer ohne Anmeldung arbeitet — wegen des Aufenthaltsstatus, aus Angst vor der Registrierung oder weil Behördengang und Pflichtberatung abschrecken — taucht in dieser Statistik nirgends auf. Solche Zahlen sind deshalb vor allem ein Gradmesser dafür, wie gut die Verwaltung erreicht, wen sie erreichen will, und kein Abbild des tatsächlichen Marktes. Das ist relevant, weil genau diese Zahlen in politischen Debatten regelmässig als Beleg für das Gegenteil zitiert werden.

Interessant ist der Alterstrend. Dass die Gruppe ab 45 am stärksten zulegt, spricht für lange Berufsbiografien in der Sexarbeit — und wirft handfeste Fragen auf: Altersvorsorge, Gesundheitskosten, körperliche Belastung, realistische Wechseloptionen. Das sind Themen, für die es Beratungsangebote braucht, nicht mehr Kontrolldichte.

Für die Schweiz gibt es keine vergleichbare Erhebung. Melde- und Bewilligungspflichten sind kantonal geregelt und die Datenlage entsprechend lückenhaft. Wenn hier über Register, Bewilligungen oder ein Sexkaufverbot diskutiert wird, geschieht das weitgehend ohne belastbare Zahlen.

Quelle: t-online, 15. September 2026

Würdet ihr euch eine schweizweite, wirklich anonymisierte Statistik wünschen — oder überwiegt die Sorge, dass aus Zahlen schnell Kontrolle wird?