In der Schweiz wird in Abständen über ein sogenanntes Sexkaufverbot nach «nordischem Modell» debattiert – also darüber, nicht die Sexarbeitenden, sondern deren Kundschaft zu bestrafen. Das Unia-Magazin work hat Anfang April 2026 zusammengetragen, was die Betroffenen selbst davon halten – und stützt sich dabei auf eine erstmals quantitative Erhebung der ZHAW.
Das Kernergebnis: Eine deutliche Mehrheit von über 70 Prozent der befragten Sexarbeitenden lehnt eine Kriminalisierung der Freier ab. Sie wünschen sich mehrheitlich nicht das Verbot und auch nicht einfach den Status quo, sondern bessere Rahmenbedingungen – dass Sexarbeit rechtlich wie jede andere selbstständige oder angestellte Tätigkeit behandelt wird.
Was heisst das für die Branche? Ein Sexkaufverbot trifft auf dem Papier die Kundschaft, faktisch aber die Arbeitenden. Wo die Nachfrage kriminalisiert wird, verschiebt sich das Geschäft in die Illegalität: weniger sichtbare Arbeitsorte, mehr Druck, weniger Möglichkeiten, Gewalt anzuzeigen oder Beratungsstellen aufzusuchen. Genau die Schutzinfrastruktur, die heute existiert, fällt dann weg.
Christa Ammann von der Berner Beratungsstelle Xenia beschreibt im Beitrag, worum es im Alltag wirklich geht: um Bewilligungen, Wohnung, Steuern, Sozialversicherung und Zugang zu Gesundheitsleistungen – also um ganz normale Arbeitsfragen. Sie warnt, «Kriminalisierung ist zudem oft mit Migrationspolitik verbunden»: Statt Ausstiegshilfe drohe ausländischen Frauen dann eher die Wegweisung.
Für eine entstigmatisierende Debatte ist das ein wichtiger Punkt. Die Studie gibt erstmals in Zahlen wieder, was Verbände seit Jahren sagen: Politik über Sexarbeit wird oft ohne Sexarbeitende gemacht. Die Betroffenen fordern, bei Entscheidungen, die ihre Arbeit betreffen, direkt einbezogen zu werden – und dass Kontrollen sich um Arbeitsbedingungen drehen statt um den Aufenthaltsstatus.
Mehr Fakten und die Einschätzung der Beratungsstelle im Originalbeitrag von work (1. April 2026).
Wie seht ihr das – würde ein Sexkaufverbot die Sicherheit verbessern oder das Gegenteil bewirken?