Eine Liegenschaft in Winterthur, die schon früher wegen privater Sexpartys und mutmasslicher Prostitution für Diskussionen gesorgt hatte, ist laut 20 Minuten (5. August 2026) erneut aufgetaucht – diesmal, weil dort in einem Escort-Chat diskrete Dienstleistungen beworben wurden. Der Eigentümervertreter gibt sich überrascht: Nach den früheren Vorfällen habe man Verwaltung und Mieterschaft ausgewechselt und das Haus selbst übernommen. Rund acht Wohnungen werden weiterhin kurzzeitig über eine Vermietungsplattform angeboten. Gästedaten würden erfasst und den Behörden gemeldet, doch ohne konkreten Verdacht dürfe man eine vermietete Wohnung nicht einfach betreten.
Der Einzelfall ist weniger spannend als das Muster dahinter. Sexarbeit verlagert sich seit Jahren weg von Salon und Strasse hinein in private Apartments und Ferienwohnungen. Schätzungen zufolge arbeitet inzwischen etwa die Hälfte der Sexarbeitenden in solchen privaten Settings. Für viele bedeutet das mehr Diskretion und mehr Kontrolle über die eigene Arbeit – ein legitimer Wunsch. Gleichzeitig hat die Verlagerung eine Kehrseite: Wer allein und unsichtbar arbeitet, ist für Beratungsstellen, Gesundheitsangebote und im Notfall auch für die Polizei schwerer erreichbar. Dazu kommt eine rechtliche Grauzone. Kurzzeit-Vermietungsplattformen untersagen bezahlte sexuelle Dienstleistungen in ihren Nutzungsbedingungen ausdrücklich, und je nach Kanton und Bewilligungslage kann das private Anschaffen die Aufenthalts- oder Arbeitssituation zusätzlich verkomplizieren.
Kurz: Die Verlagerung ins Private ist kein Skandal, sondern eine reale Entwicklung – mit echten Vorteilen für die Autonomie und echten Risiken bei Sicherheit und Zugang zu Hilfe. Genau darüber lohnt sich der Austausch, statt über die eine oder andere Adresse.
Wie erlebt ihr das Arbeiten in privaten Wohnungen oder Ferienapartments – mehr Freiheit oder am Ende mehr Risiko und Isolation?