Sieben Parzellen in Chiasso, 300 Meter in Mendrisio: Sexarbeit im Kanton Tessin 2026 – Bewilligung, Meldepflicht und Zuständigkeiten auf der Gemeindekarte

Wer im Tessin mit Sexarbeit anfängt, hält am Ende zwei sehr unterschiedliche Papiere in der Hand. Das eine ist eine Nummer der Kantonspolizei. Das andere ist eine Gemeindeordnung, die niemand erwähnt hat und die man selbst suchen muss. Die Nummer sagt, dass du gemeldet bist. Die Gemeindeordnung sagt, ob der Ort, an dem du arbeiten willst, überhaupt in Frage kommt. Erst beide zusammen beantworten die Frage, die in der Praxis zählt: Darf ich hier, in diesem Haus, an dieser Adresse, legal arbeiten?

Der Kanton Tessin gehört zu den Schweizer Kantonen mit einem eigenen Prostitutionsgesetz. Das ist ein Vorteil – die Regeln stehen geschrieben, statt sich aus zehn Erlassen zusammensetzen zu lassen. Es verleitet aber auch zu einem Irrtum: dass die kantonale Meldung die Sache erledigt. Tut sie nicht. Die eigentliche Landkarte zeichnen die Gemeinden, und sie zeichnen sie sehr unterschiedlich. In Chiasso läuft es auf sieben Parzellen hinaus. In Mendrisio auf Radien von 100 und 300 Metern. In Lugano auf eine Baubewilligung, die am Wohnanteil eines Gebäudes scheitern kann.

Dieser Text geht die kantonale Ebene rasch durch und verbringt danach die meiste Zeit dort, wo die Entscheidungen tatsächlich fallen. Die Grundzüge des Gesetzes selbst – Meldeverfahren, Wohnungsregel, Ämter – sind in unserer Übersicht zum Tessiner Prostitutionsgesetz ausführlicher dargestellt.

Die kantonale Ebene: ein Gesetz, ein Register, eine Nummer

Massgebend ist die Legge sull’esercizio della prostituzione (LProst, Systematische Sammlung des Kantons Tessin 550.500) vom 22. Januar 2018, in Kraft seit dem 1. Juli 2019. Sie hat das ältere Gesetz von 2001 abgelöst. Ergänzt wird sie durch das Regolamento sull’esercizio della prostituzione (RProst, 550.510), das die Vollzugsdetails enthält.

Zuständig ist das Dipartimento delle istituzioni, konkret die Kantonspolizei mit ihrer Sezione TESEU. Das ist die Stelle, die im Tessin für Sexarbeit tatsächlich existiert – anders als in Kantonen, in denen man sich die Zuständigkeit erst aus mehreren Ämtern zusammensuchen muss.

Die Meldung bei TESEU

Wer im Tessin Sexarbeit ausübt oder ausüben will, muss sich unverzüglich bei der Kantonspolizei melden. Die Meldung ist persönlich vorzunehmen: Man erscheint bei der Sezione TESEU, das Formular wird dort aufgenommen und unterschrieben, der Ausweis wird geprüft. Erst nach dieser Prüfung ist die Meldung gültig, und die Person erhält eine eigene TESEU-Nummer. Aktuelle Adresse und Öffnungszeiten stehen auf der Seite «Annuncio esercizio della prostituzione» der Kantonspolizei auf ti.ch – ein Anruf oder eine Mail vorab erspart eine unnötige Fahrt.

Melden kann sich, wer eine der drei Voraussetzungen erfüllt:

  • Schweizer Staatsangehörigkeit, oder
  • eine gültige ausländerrechtliche Bewilligung, die eine Erwerbstätigkeit zulässt, oder
  • eine gültige Meldung als selbständige Dienstleistungserbringerin im Rahmen des 90-Tage-Meldeverfahrens für EU/EFTA-Angehörige.

Der dritte Punkt wird in Foren regelmässig falsch wiedergegeben, deshalb präzise: Das Meldeverfahren nach dem Freizügigkeitsabkommen erlaubt EU/EFTA-Bürgerinnen und -Bürgern eine Erwerbstätigkeit von bis zu 90 Tagen pro Kalenderjahr ohne Bewilligung. Im Sexgewerbe gilt aber die verschärfte Regel: Gemeldet werden muss ab dem ersten Arbeitstag, nicht erst nach acht Tagen wie in vielen anderen Branchen. Die Meldung läuft über das Online-Portal des Staatssekretariats für Migration, die kantonale Anlaufstelle dafür ist die Sezione del lavoro (Ufficio della manodopera estera). Diese Bundesmeldung und die TESEU-Meldung sind zwei verschiedene Vorgänge – die eine ersetzt die andere nicht.

Was die Meldung sonst noch auslöst

Zwei Dinge sind bemerkenswert. Erstens hat jede Person im Moment der Meldung Anspruch auf eine kostenlose ärztliche Beratung zu Präventionsfragen. Das ist ein Angebot, keine Bedingung, und es kostet nichts.

Zweitens – und das wird oft überlesen – ist die Meldung nicht rein polizeiintern. Wird eine Wohnung als Arbeitsort gemeldet, teilt die Sezione TESEU diese Meldung der zuständigen Gemeinde und der Eigentümerschaft mit. Das ist die Systemlogik des Tessiner Gesetzes: Der Kanton registriert, die Gemeinde prüft die bau- und zonenrechtliche Seite, der Eigentümer weiss Bescheid. Wer diese Kette nicht einkalkuliert, wird vom Anruf der Verwaltung überrascht.

Nur zwei zulässige Arbeitsorte

Die LProst kennt genau zwei legale Konstellationen: das bewilligte Erotiklokal und die gemeldete Wohnung.

Das bewilligte locale erotico

Ein Erotiklokal darf nur mit vorgängiger Bewilligung des zuständigen Departements eröffnet und geführt werden. Die Bewilligung wird auf eine gestore ausgestellt – die verantwortliche natürliche oder juristische Person –, die persönliche Voraussetzungen erfüllen muss: Integrität, bei ausländischer Staatsangehörigkeit eine Bewilligung, die eine Erwerbstätigkeit zulässt, dazu Handelsregister- und Betreibungsauszug. Geprüft werden ausserdem die Baubewilligung des Objekts und die Einhaltung der Gesundheitsvorschriften.

Die gestore ist keine Briefkastenfigur: Sie muss vollzeitlich im Betrieb präsent sein, sie haftet persönlich für die Nebentätigkeiten rund um den Betrieb, und sie muss sicherstellen, dass alle anwesenden Personen ordnungsgemäss gemeldet sind. Für die Erteilung der Bewilligung wird eine Gebühr erhoben (genannt werden 350 Franken), Entscheide über Erteilung, Verweigerung, Erneuerung oder Widerruf sind mit einer Kostengebühr im Rahmen von 50 bis 1’000 Franken belegt. Die verbindlichen Ansätze stehen im RProst und bei der Kantonspolizei.

Die gemeldete Wohnung: eine Person, ein Haus, drei Monate

Wer allein in einer Wohnung arbeitet, an der sie Eigentum oder ein Nutzungsrecht hat, braucht keine Lokalbewilligung – aber eine notifica appartamento. Die Bedingungen sind eng und werden im Alltag am häufigsten verletzt:

  • In der Wohnung darf nur eine Person der Sexarbeit nachgehen. Sobald Räume geteilt werden, ist man im Bewilligungsverfahren für Erotiklokale.
  • Es darf nur eine Wohnung pro Gebäude für diesen Zweck gemeldet sein.
  • Der Vertrag, der das Nutzungsrecht belegt – Miete oder Untermiete –, muss auf mindestens drei Monate lauten.
  • Die Meldung macht die Person, die die Wohnung zur Verfügung stellt, unter Vorlage einer Ausweiskopie.

Die Drei-Monats-Klausel ist der Punkt, an dem das Gesetz und die reale Angebotsentwicklung auseinanderlaufen. Kurzzeitmieten über Buchungsplattformen erfüllen sie schlicht nicht – dazu weiter unten mehr.

Die Gemeindekarte: wo im Tessin überhaupt gearbeitet werden darf

Die LProst selbst verbietet Strassenprostitution an allen Orten, an denen sie die öffentliche Ordnung oder Ruhe stören kann, insbesondere im Freien und an öffentlich einsehbaren Stellen, und ausdrücklich in der Nähe von Schulen, Spitälern, Alters- und Pflegeheimen, anerkannten Kultstätten, Friedhöfen, Haltestellen des öffentlichen Verkehrs, öffentlich zugänglichen Gebäuden und Spielplätzen. Dazu kommt eine Regel, die für Wohnungsarbeit entscheidend ist: In Zonen, die der Nutzungsplan überwiegend dem Wohnen widmet, ist die Ausübung untersagt.

Und dann kommt die Gemeindeebene. Die Gemeinden können per ordinanza municipale weitere Orte und Distanzen festlegen, an denen Sexarbeit unzulässig ist. Genau hier entstehen die grossen Unterschiede – ein Muster, das man auch aus anderen Kantonen kennt, wo der Kanton wenig regelt und die Gemeinde am Ende Ort und Uhrzeit bestimmt.

Chiasso: sieben Parzellen, sonst nichts

Chiasso hat den radikalsten Weg gewählt: Die Gemeinde hat die Sexarbeit auf einen einzigen Sektor des Gemeindegebiets beschränkt, die Zone amministrativa commerciale intensiva a 7 piani (AC7). Insgesamt sieben Grundstücke sind betroffen, auf denen bereits bestehende Betriebe stehen. Auf dem gesamten übrigen Gemeindegebiet ist die Ausübung untersagt – auch in Wohnungen. Der Gemeinderat hat die entsprechende Nutzungsplanänderung beschlossen, womit die bestehenden Lokale in dieser Zone langfristig regularisiert werden können und alles ausserhalb klar ausgeschlossen ist.

Für die Praxis heisst das: In Chiasso beantwortet nicht die TESEU-Nummer die Standortfrage, sondern der Zonenplan. Eine Wohnung ausserhalb der AC7 ist auch dann kein legaler Arbeitsort, wenn Vertrag, Alleinnutzung und Dreimonatsfrist stimmen.

Mendrisio und der Bellinzonese: Regeln nach Metern

Mendrisio arbeitet mit Distanzen statt mit einer Zone. Die Gemeindeordnung untersagt die Ausübung im Umkreis von 100 Metern um Haltestellen des öffentlichen Verkehrs während deren Betriebszeiten und im Umkreis von 300 Metern um sensible Orte – Spielplätze, öffentliche Freizeit- und Sportanlagen, Schulen, Kirchen und andere Kultstätten sowie Spitäler. Im Bellinzonese existiert eine vergleichbare Konstruktion mit einem Radius von 100 Metern um sensible Orte und einem Verbot in Wohnzonen; auch kleinere Gemeinden wie Arbedo-Castione und Balerna haben eigene Ordinanzen erlassen.

Wer die Karte mit diesen Radien über eine dicht bebaute Tessiner Gemeinde legt, sieht schnell, dass nicht viel übrig bleibt. Das ist kein Zufall, sondern Absicht des Instruments. Umso wichtiger ist, die aktuell gültige Fassung der jeweiligen Ordinanza bei der Gemeindekanzlei zu verlangen: Diese Erlasse werden revidiert, und ältere Zeitungsberichte geben nicht zwingend den heutigen Stand wieder.

Lugano: die Frage entscheidet das Baurecht

Lugano regelt die Sache über die Ordinanza municipale sull’esercizio della prostituzione vom 21. März 2022 (Nr. 2.4.5) – und vor allem über das Baurecht. Um ein Gebäude oder einen Gebäudeteil der Sexarbeit zu widmen, ist eine Baubewilligung für die Nutzungsänderung nötig. Diese wird verweigert, wenn der Wohnanteil im betreffenden Objekt bei 50 Prozent oder mehr liegt, und ebenso bei Gebäuden in der Nähe sensibler Orte. Verstösse gegen die kommunalen Vorschriften über Ort, Zeit und Art der Ausübung werden nach Art. 199 StGB geahndet.

Das ist die unauffälligste und zugleich wirksamste Hürde im ganzen System. Eine normale Mietwohnung in einem normalen Wohnhaus fällt fast immer durch – ganz unabhängig davon, ob die Meldung bei TESEU sauber ist. Kantone ohne eigenes Sexgewerbegesetz kommen über denselben Hebel zum Ziel; Zug etwa reguliert ausschliesslich über den Zonenplan, und in Appenzell Innerrhoden schweigt der Kanton fast vollständig. Das Tessin unterscheidet sich also weniger im Ergebnis als in der Transparenz: Hier steht wenigstens geschrieben, wer was entscheidet.

Geld: die Tagespauschale, AHV und Steuern

Das Tessin hat 2019 eine Lösung für ein altes Steuerproblem eingeführt: eine Pauschalabgabe von 25 Franken pro Arbeitstag, die als Akontozahlung an die Einkommenssteuer angerechnet wird.

Die Mechanik unterscheidet sich je nach Arbeitsort:

  • Im Erotiklokal zieht die gestore die 25 Franken pro Person und Arbeitstag ein und überweist sie monatlich an die zuständige Steuerbehörde. Der Betrieb wird damit zur Inkassostelle.
  • In der gemeldeten Wohnung schuldet die Sexarbeitende die Abgabe selbst und zahlt sie direkt. Wer die Wohnung zur Verfügung stellt, hat hier keine Rolle und darf den Betrag insbesondere nicht abziehen.

Damit ist die Steuerfrage aber nicht erledigt, sondern nur akontiert. Sexarbeit ist in der Schweiz selbständige Erwerbstätigkeit, sofern man tatsächlich auf eigene Rechnung und eigenes Risiko arbeitet. Daraus folgen die üblichen Pflichten: Anmeldung als Selbständigerwerbende bei der Ausgleichskasse für AHV/IV/EO, ordentliche Einkommenssteuer nach der jährlichen Steuererklärung beziehungsweise Quellenbesteuerung je nach Aufenthaltsstatus, und Mehrwertsteuerpflicht erst ab Erreichen der gesetzlichen Umsatzgrenze. Ob die Ausgleichskasse den Status als selbständig anerkennt, entscheidet sie eigenständig – dieser Entscheid ist unabhängig von der TESEU-Meldung und muss separat eingeholt werden. Verbindliche Auskünfte zur Pauschalabgabe und zur Verrechnung gibt die Divisione delle contribuzioni, zum Sozialversicherungsstatus die kantonale Ausgleichskasse.

Die Grauzone: Hausbesuche und Hotel

Eine Frage, die für Escorts zentral ist, hat das Tessin bis heute nicht restlos geklärt: Darf man beim Kunden zu Hause oder im Hotelzimmer arbeiten, wenn das Gesetz nur bewilligte Lokale und gemeldete Wohnungen als zulässige Orte nennt?

Die Behörden gingen nach Inkrafttreten der neuen Regeln davon aus, dass dies nicht zulässig sei, und büssten entsprechend. 2020 sprach ein Tessiner Strafrichter zwei Frauen frei, die bei Kunden beziehungsweise im Hotel gearbeitet hatten und dafür je 300 Franken hätten zahlen sollen. Die Begründung: Das Gesetz verbietet das nicht. Der Fall löste eine politische Debatte aus – ein PLR-Grossrat reichte eine Interrogazione ein, einer der Väter des Gesetzes räumte ein, die Vollzugsregeln seien hier möglicherweise über den Willen des Gesetzgebers hinausgegangen –, während der zuständige Regierungsrat auf dem Standpunkt blieb, das Gesetz sei so in Ordnung.

Wichtig für die eigene Planung: Das war ein erstinstanzliches Urteil in einem Einzelfall, keine gefestigte Rechtsprechung. Wer im Tessin Hausbesuche oder Hotelbesuche anbietet, sollte die aktuelle Praxis bei der Sezione TESEU direkt und schriftlich abklären, statt sich auf einen sechs Jahre alten Zeitungsartikel zu verlassen. Bussen bewegen sich nach dem Gesetzesrahmen zwischen 200 und 40’000 Franken – der Spielraum ist zu gross, um ihn auf gut Glück auszutesten.

Was die Zahlen zeigen

Die Statistik der Sezione TESEU zeichnet ein klares Bild von einer Regelung, an der die Realität vorbeizieht.

Die Meldungen steigen: 219 neue Anmeldungen 2022, 284 im Jahr 2023, 352 im Jahr 2024, mit weiterem Zuwachs 2025. Gleichzeitig steigen die Verstösse noch schneller: 50 Fälle unerlaubter Ausübung 2022, 59 im Jahr 2023, 149 im Jahr 2024 – annähernd eine Verdreifachung in zwei Jahren. 2024 wurden 128 Personen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, weil sie an nicht bewilligten Orten gearbeitet oder solche zur Verfügung gestellt hatten; rund achtzig dieser Fälle betrafen kurzzeitig gemietete Wohnungen.

Der Grund ist strukturell, nicht kriminell: Die Szene ist aus den Lokalen in Wohnungen abgewandert. Waren es um 2008 noch rund 35 Erotikbetriebe und über 600 gemeldete Personen, sind es heute neun bewilligte Lokale und gut 200 legal tätige Personen. Ende 2024 waren je nach Stichtag 21 bis 24 Wohnungen ordnungsgemäss gemeldet – während eine Recherche in Tessiner Erotikportalen auf rund hundert aktive Wohnungen kam. Die Dreimonatsregel und das Prinzip «eine Wohnung pro Gebäude» passen schlicht nicht zu einem Angebot, das über Kurzzeitvermietung und Wochenrotation funktioniert.

Für Einzelne heisst das zweierlei. Erstens: Die Kontrolldichte nimmt zu, und der Fokus liegt genau auf kurzfristig gemieteten Wohnungen. Zweitens: Wer sauber gemeldet ist, hebt sich in einem Markt ab, der zunehmend im illegalen Bereich operiert – mit allem, was das an Erpressbarkeit und fehlendem Polizeischutz mit sich bringt.

Beratung: wohin man sich wenden kann

Das Tessin hat eine spezialisierte Anlaufstelle, die nicht Teil der Polizei ist. Primis – ein Dienst von Zonaprotetta, seit 2006 tätig – bietet Sexarbeitenden im Kanton gesundheitliche, soziale und rechtliche Beratung an, mit Kulturvermittlerinnen für Frauen ohne Italienischkenntnisse. Die Beratungsstelle liegt an der via Bagutti 2 in Lugano und hält am Mittwochnachmittag von 14 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde ohne Termin ab. Der Name steht für prevenzione, informazione e mediazione nell’industria del sesso.

Für sexuelle Gesundheit stehen zusätzlich die Consultori di salute sessuale des Ente Ospedaliero Cantonale in Bellinzona, Locarno, Lugano und Mendrisio offen; die Beratung ist vertraulich. Dazu kommt die kostenlose ärztliche Beratung, die im Rahmen der TESEU-Meldung angeboten wird.

Die Reihenfolge, die funktioniert

Wer im Tessin sauber starten will, geht am besten von hinten nach vorne vor – vom Ort zur Meldung, nicht umgekehrt:

  1. Status klären. Schweizer Pass, Aufenthaltsbewilligung mit Erwerbserlaubnis oder 90-Tage-Meldung als Dienstleistungserbringerin? Ohne eine dieser Grundlagen ist die TESEU-Meldung gar nicht möglich.
  2. Gemeinde zuerst. Bei der Gemeindekanzlei die geltende ordinanza sull’esercizio della prostituzione und die Zonenzuordnung der konkreten Adresse verlangen. Diese Auskunft entscheidet, ob sich alles Weitere überhaupt lohnt.
  3. Bau- und zonenrechtliche Seite prüfen. Braucht die geplante Nutzung eine Baubewilligung oder eine Meldung der Nutzungsänderung? Wie hoch ist der Wohnanteil des Gebäudes?
  4. Vertrag passend gestalten. Mindestens drei Monate Laufzeit, Alleinnutzung, keine zweite gemeldete Wohnung im selben Haus.
  5. Meldungen vornehmen. Persönlich bei der Sezione TESEU für die eigene Anmeldung, dazu die notifica appartamento durch die Person, die den Raum zur Verfügung stellt.
  6. Finanzen aufsetzen. Anmeldung bei der Ausgleichskasse, Klärung der Pauschalabgabe und ihrer Verrechnung bei der Steuerbehörde, saubere Aufzeichnung der Arbeitstage.

Fazit

Das Tessin hat ein Gesetz, ein Register und eine klar bezeichnete Behörde – deutlich mehr Struktur, als viele Deutschschweizer Kantone bieten. Aber die kantonale Meldung ist nur die halbe Antwort. Ob eine Adresse funktioniert, entscheidet sich in Chiasso an sieben Parzellen, in Mendrisio an Radien von 100 und 300 Metern, in Lugano am Wohnanteil eines Gebäudes. Die Steigerung der Verstösse in den letzten Jahren erklärt sich weniger aus Missachtung als aus der Lücke zwischen einem Regelwerk, das auf feste Standorte und Dreimonatsverträge ausgelegt ist, und einem Markt, der sich in Wochenrhythmen bewegt.

Wer damit umgehen will, beginnt bei der Gemeinde und nicht beim Inserat. Und wer eine verbindliche Antwort braucht, holt sie dort, wo sie gilt: bei der Gemeindekanzlei für Zonen und Baurecht, bei der Sezione TESEU der Kantonspolizei für Meldung und Arbeitsorte, bei der Ausgleichskasse und der Divisione delle contribuzioni für Sozialversicherung und Steuern. Für alles, was zwischen den Ämtern verloren geht, ist Primis in Lugano die Adresse, die zuhört, ohne zu belehren.